Filmkritiken
Beim Schreiben von Filmkritiken lege ich weniger Wert auf ausführliche Beschreibungen, sondern eher auf ein kurzes, prägnantes Fazit.
» Tagebuch eines Skandals
» Terminal
» Terminator 3 - Rebellion der Maschinen
» Terminator 4 - Die Erlösung
» The Core
» The day after tomorrow
» The last Samurai
» The Ring
» The Scorpion King
» The Time Machine
» Tintenherz
» Tricks
» Troja
» Über Wasser
» Unsere Erde
» Up in the air
» Verblendung
» Verdammnis
» Vergebung
» Wall - E
» Was das Herz begehrt
» Werner 4 - gekotzt wird später
» Whisky mit Wodka
» Willkommen bei den Sch'tis
» Windtalkers
» Wir waren Helden
» Wolfman
» Wolke 9
» Wüstenblume
» Zusammen ist man weniger allein
Tagebuch eines Skandals
Als die junge Lehrerin Sheba Hart (Kate Blanchett) ihren Dienst in der neuen Schule
antritt hat sie es mit schwierigen Schülern sowie der alten strengen Geschichtslehrerin
Barbara Covett (Judi Dench) zu tun. In ihrem trauten Heim warten ihr wesentlich älterer
Ehemann Richard, sowie ihre beiden Kinder (wobei der Sohn an dem Down-Syndrom leidet).
Es entwickelt sich eine ganz besondere Beziehung zwischen ihr und Barbara, aber auch die
zarte Bande mit einem ihrer Schüler. Hier ahnt man schon was sich anbahnen sollte.
Zu verlockend ist die Versuchung und der Ruf des Verbotenen.
So ist es nur eine Frage der Zeit bis Barbara (mit der sie viel Zeit verbringt) hinter
das Geheimnis von Sheba kommt.
Die Charaktere sind sehr authentisch und dicht gezeichnet und brillant gespielt. Die
Entwicklung der Geschichte lässt den Zuschauer teilhaben und auch ein wenig verstehen
was in den Personen vorgeht und sie zu ihrem Handeln antreibt.
Bis zum Ende hält der Streifen sein hohes Niveau und seine packende Atmosphäre. Großes
Kino, das berührt und fesselt.

Terminal
Nach einer wahren Gegebenheit drehte Steven Spielberg diesen Streifen. Ein Urlauber,
Viktor Navorski (gespielt von Tom Hanks) aus dem fernen Krakosien reist in die USA.
Während seines Fluges ereignet sich in seinem Heimatland ein Militärputsch und das
Land befindet sich im Bürgerkriegszustand. Da die USA nun die Staatsbürgerschaft
Krakosiens nicht anerkennt und Navorski auch nicht mehr zurück fliegen kann, da alle
Flücke nach Krakosien gestrichen wurden, darf er sich nur innerhalb des Flughafens
bewegen. So entwickelt er sein „Leben“ auf dem Airport mit allerlei Problemchen,
die aus der Unkenntnis von Sprache und amerikanischen Gebräuchen her rühren.
So liebevoll detailliert die Geschichte beginnt und so herrlich tollpatschig Navorski
anfangs agiert, umso 0/8/15-mäßig verliert sich der Streifen im typisch amerikanischen
Herz Schmerz Kitsch, der in der Liebesgeschichte zwischen Navorski und der
Flugbegleiterin Amelia (Catherine Zeta-Jones) gipfelt. Erst beim Lesen des Abspanns
wird einem wieder bewusst, dass es sich um einen Spielberg-Streifen handelt. Für diesen
Regisseur war der Stoff einfach nicht gewaltig genug um sich richtig austoben zu können.
Terminal ist 2 Stunden nette Kinounterhaltung, die zum Ende hin immer alberner
wird und einen faden Beigeschmack zurück lässt.

Terminator 3 - Rebellion der Maschinen
Nach 10 Jahren endlich der dritte Teil von Terminator. 5 Jahre davon wurde vermutlich
um Arnies Gage verhandelt, aber sei es drum. Terminator IST Arnold Schwarzenegger
- Die Rolle ist wie für ihn gemacht, er muss nicht viel reden und keine Emotionen
zeigen... und das kann er gut! Nachdem er im ersten Teil noch der Bösewicht war,
steht "Arnie" seit dem zweiten Teil auf der Seite der Menschen. Die Story ist nahezu
unverändert. Die Maschinen schicken einen weiblichen Terminator (TX) aus der Zukunft,
um den mittlerweile 25 Jahre alten John Connor und seine Weggefährtin zu töten, damit
diese in ihrer Zukunft nicht den Kampf der Menschen gegen die Maschinen anführt. Fast
zeitgleich erreicht auch unser "Äktschn - Held" die Gegenwart, um die beiden zu
beschützen. Nur noch eine Frage der Zeit, bis die beiden Maschinen aus der Zukunft
aufeinander treffen. Von da an beginnt eine gewaltige Materialschlacht, die in einer
Verfolgungsjagd mit einem Kranwagen gipfelt, der ganze Straßenzüge verwüstet.
Terminator 1 hatte die coolste Story, Terminator 2 für die damaligen
Verhältnisse eine wegweisende Tricktechnik und Terminator 3 vereint von beidem
etwas. Einen extrem coolen Arnold Schwarzenegger, der mit seinen (zugegebenermaßen
wenigen) Sprüchen den Kinosaal zum Toben bringt, eine in allen Belangen schier
unbesiegbare Gegnerin, die selbst nach den größten Detonationen wie aus dem Ei gepellt
der Trümmer entsteigt und 2 menschliche Darsteller, die es mit List und Gewandtheit
immer wieder schaffen mit dem Leben davon zu kommen machen Terminator 3 zu einem Filmerlebnis
und richtig fettem Actionkino... solange man nicht anfängt groß nachzudenken. Aber
wer im Kino nachdenken will, der schaut sich einen anderen Film an.

Terminator 4 - Die Erlösung
2018 - der Kampf zwischen Mensch und Maschine tobt noch immer, doch das neueste
Terminator-Modell verspricht einen raschen Sieg der Roboter.
Terminator schlägt mit Christian Bale in der Hauptrolle ein neues Kapitel auf.
Er macht seine Sache auch durchaus gut und ist zweifellos ein besserer Schauspieler als
Arnold Schwarzenegger. Bei dessen fulminanten Kurzauftritt wird deutlich, was einem
Christian Bale fehlt: diese gewaltige Präsents.
Zum Überflieger reicht es dann trotz toller Effekte und Materialschlachten nicht, weil das
Besondere fehlt. Alles, obwohl gut gemacht, hat man bereits woanders gesehen.
Während zumindest die ersten beiden Teile genreprägend waren, weht über der
"Erlösung" der Mantel des vergessens recht bald. Kommerziell gesehen wird der Film
trotzdem ein Erfolg werden und das Ende lässt eine Fortführung der Ereignisse offen.

The Core
Scheinbar unerklärliche Ereignisse lassen Menschen einfach umkippen, am Trafalgar
Square fallen Tauben vom Himmel und ähnliches. Die Helden" kommen schnell dahinter,
dass der innere Erdkern aufgehört hat zu rotieren. Der Erde bleibt nur noch wenig
Zeit zum Überleben. Eine aberwitzige Mission wird gestartet, um den Erdkern wieder
zum Rotieren zu bringen. Eine Art Raumschiff soll zum Kern vordringen und mehrere
Atombomben zünden, um diesen wieder anzukurbeln. Natürlich werden die besten
Wissenschaftler und nur das beste Material zur Verfügung gestellt, um dieses Ziel
zu erreichen. So irrsinnig, wie sich das Ganze anhört, ist es auch! Unbekannte, recht
leblose Schauspieler, eine Story, die blöder ist, als eine Sonderschulklasse und ein
vorhersehbarer, spannungsloser Handlungsablauf, der jede Andeutung von Tiefgang schon
im Keim erstickt machen The Core zu einem Paradebeispiel für einen Film, den es
zu verpassen lohnt. Mit einigen Materialaufwändigen Szenen (Zerbersten des Colloseum
in Rom, Zusammenbruch der Golden Gate Bridge...) wird die Schwäche des gesamten
Machwerks zu vertuschen versucht, was aber kläglich scheitert.

The day after tomorrow
Klimaforscher Jack Hall (Dennis Quaid) schwant Böses: Seine Untersuchungen haben
ergeben, dass der Welt ein Klima-Umschwung mit katastrophalen Folgen bevorsteht.
Der US-Vizepräsident hält jedoch seine Warnungen für Panikmache. Da schlägt das Wetter
auch schon um. Dank superber Special Effects wirkt Emmerichs Zukunftsszenario
erschreckend realistisch. Die gewaltigen Flutwellen, das Voranschreiten der Eiswüste
und das sinnlos scheinende Ankämpfen der Menschen gegen die Katastrophe sind das große
Plus dieser Horrorvision - leider aber nicht menschliche Dramen und Schicksale. So
wünscht man sich jedes Mal sehnlichst die nächste Katastrophe herbei, wenn Emmerich
plötzlich Gefühle zeigen will. Das aufgesetzte Vater sucht Sohn - Drama und vor allem
die fast schon peinliche Szene in der ausgehungerte Wölfe im Eis nach den Menschen
trachten können nicht wirklich fesseln, wohl aber die Entwicklung der drohenden
Katastrophe, die aber zum Ende hin auf der Strecke bleibt. Schon nach wenigen Tagen
lacht die Sonne den Kinobesucher an und man fragt sich: war's das jetzt? Zurück bleibt
ein zwiespältiges Gefühl zwischen großem Kino und großem Kitsch - vor allem aber großem
Kommerz! 4 Punkte für keinen überragenden, aber aufgrund seiner Bilder auf der Leinwand
recht sehenswerten Film.

The last Samurai
Im späten 19. Jahrhundert öffnet der japanische Kaiser sein Land für westliche
Einflüsse. Dafür müssen althergebrachte Traditionen weichen, was auch für die Kaste der
Samurai gilt. Der Tenno ordert amerikanische Gewehre und Waffen und lässt seine Armee
vom ehemaligen Nordstaaten- Captain Algren (Tom Cruise) in die moderne Kriegsführung
unterweisen. Schon im ersten Aufeinandertreffen mit den Samurai- Kriegern wird dieser
schwer verletzt und gefangen genommen. In einem kleinen Dorf wird Algren gepflegt und
lernt dort die Vorstellung der Samurai von Ehre, Moral und Loyalität kennen und
schätzen. Er findet schließlich zu sich selbst und zieht fortan mit den Samurai in
den Krieg.
Bildgewaltig, actionreich und ergreifend inszeniert wird dem Zuschauer ein
detailgenauer Einblick in das Leben und die Kultur Japans, sowie die Tradition
und Riten der Samurai bei Anbruch des Industriezeitalters gewährt. Ein stets im
Mittelpunkt des Geschehens stehender Hauptdarsteller Tom Cruise müht sich redlich der
Rolle des desillusionierten Bürgerkriegsveteranen gerecht zu werden, doch kann man hier
ohne Frage vom klassischen Fall einer Fehlbesetzung sprechen. Er wirkt stets gekünstelt
und unglaubwürdig mit seinem Zahnpasta-Dauergrinsen ein ums andere Mal überfordert.
Trotzdem schafft er es nicht diesen feinfühlig hintergründigen Film „kaputt" zu spielen.
Zu stark sind die anderen Charaktere und zu stark ist die Geschichte.

The Ring
Die Story dreht sich um einen Kurzfilm, der ein Geheimnis in sich birgt: Jeder, der sich
den Film angesehen hat, wird genau 7 Tage später sterben. Die hoch dramatische Handlung
steigt gegen Ende immer mehr an und kann ohne viele Blut- und Gewaltszenen überzeugen.
Die gelungene Kameraführung und die effektvoll eingesetzten Sounds lassen den Zuschauer
ein ums andere Mal zusammenzucken und im Kinosessel immer kleiner werden.

The Scorpion King
Dieser Film wurde uns zunächst als Nachfolgefilm von Die Mumie und Die Mumie II
angepriesen, aber damit hat The Scorpion King nicht viel zu tun. Der gesamte
Fantasyhintergrund ist auf der Strecke geblieben. Was geblieben ist, ist ein
actionreicher Abenteuerfilm mit einem Superhelden (The Rock) gegen Heerscharen von
Gegnern. Die Geschichte ist so banal, wie schon 1000 mal erzählt... nein - dieser Film
ist keine Meisterleistung und man muss dafür nicht ins Kino gehen.

The Time Machine
Der alte Kindheitstraum - die Zeitmaschine. Mit weitgehend unbekannten Schauspielern
spielt der Film Ende des 19. Jahrhunderts. Ein Wissenschaftler tüftelt an seiner
einzigartigen Erfindung. Als seine Verlobte ums Leben kommt ist es soweit, die Maschine
auszuprobieren. Er reist in die Vergangenheit und will den tragischen Vorfall
ungeschehen machen, aber kann man das Schicksal ändern? Wieder kommt seine Angebetete
ums Leben. Jetzt versucht er die Antwort auf diese Frage in der Zukunft zu finden. Er
reist in verschiedene Zeiten und landet schließlich über 800 000 Jahre in der Zukunft.
Hier beginnt der eigentliche Film und die Spannung, bis er in einem Schluss-Showdown
gipfelt.
Zwar ist der Film zum Ende hin ziemlich spannend und actiongeladen, aber über die ganze
Länge gesehen hatte ich mir doch eher mehr versprochen.
Ein Film, für den man nicht unbedingt ins Kino gehen muss, aber trotzdem durchaus
interessant.

Tintenherz
In einer stürmischen Nacht taucht ein unheimlicher Gast bei Meggie und ihrem Vater Mo (Brendan Fraser) auf.
Er warnt ihren Vater vor einem Mann namens Capricorn. Am nächsten Morgen reist Mo überstürzt
mit Meggie zu ihrer Tante Elinor... Elinor verfügt über die kostbarste Bibliothek,
die Meggie je gesehen hat. Hier versteckt Mo das Buch, um das sich alles dreht.
Ein Buch, das Mo vor vielen Jahren zum letzten Mal gelesen hat und das jetzt in den
Mittelpunkt eines unglaublichen, magischen und atemberaubenden Abenteuers rückt - eines
Abenteuers, in dessen Verlauf Meggie nicht nur das Geheimnis um Zauberzunge und Capricorn löst,
sondern auch selbst in große Gefahr gerät.
Soweit der vollmundige Filminhalt.
Brendan Fraser ist schon ein lausiger Schauspieler - wo es bei Die Mumie nicht weiter
aufgefallen ist, weil dort die Effektorgie der Hauptdarsteller war, kann er es hier so richtig
zeigen. Seine Tochter Meggie wird von einem typisch amerikanischen "Teeniebeau" verkörpert.
Die Charaktere (mit Ausnahme von Staubfinger) sind maximal kurz angerissen – einige Figuren
tauchen plötzlich aus dem Nichts auf und sind dann eben da.
Die Bösewichte sind kaum unheimlicher als bei Kevin allein zu Hause.
Die Effekte sind für eine Hollywoodproduktion sehr sparsam bemessen.
Es wurde vermutlich versucht die Geschichte "leise" zu erzählen. Das einzige, was im
Kinosaal Für Amusement sorgt, ist das Schnarchen der Zuschauer.
Es gehört schon viel Stehvermögen dazu diesen Streifen bis zum Ende durchzuhalten.
In den letzten 20 Minuten wird es dann tatsächlich rasanter und siehe da - ein gut gemachter
Effekt als der Schatten auftaucht... tralala Hollywood Happyend und fertig ist der Zauber.
Wenigstens schafft es der Film dem Zuschauer die Lust am Buch zu vermitteln:
jedes Buch unterhält mehr als der größte Langweiler des Jahres.

Tricks
Roy (Nicolas Cage) und Frank (Sam Rockwell) sind Trickbetrüger. Sie leben davon,
leichtgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen und dieses Handwerk
verstehen sie meisterhaft. Doch Roy leidet an Neurosen. Ein Fussel auf dem Fußboden
oder ein Blatt im Swimmingpool bringen ihn aus dem Gleichgewicht und enden in
zwanghaften Putzarien. In diese pedantische Ordnung platzt Roys 14-jährige Tochter und
stellt sein bisheriges Leben auf den Kopf. Zwischen Vaterrolle und Gaunerleben hin- und
hergerissen, beschließt er, ein letztes „großes Ding" zu drehen, um fortan als
rechtschaffender Mensch zu leben. Doch die Rechnung geht anders auf, als gedacht.
Die Story ist trotz Wechsel von lauten und leisen Tönen, langen Einstellungen und
schnellen Schnitten fade. Eine verblüffende Wendung am Ende des Films und Nicolas Cage,
der eine faszinierende Charakterstudie eines Neurotikers liefert, können die Schwächen
des Drehbuchs nicht aufwiegen.
Fazit: Ganoven mit Herz, da gab es schon eindringlichere (Besser geht's nicht)
oder charmantere (Catch me if you can) Typen.
_apricum

Troja
Die Geschichte ist recht schnell erzählt: Während der Versöhnungsverhandlungen zwischen
Sparta und Troja brennt Hectors Bruder Paris blind vor Liebe mit der schönen Helena
durch und beschwört so einen unausweichlichen Konflikt herauf. Dabei wird das
Unterfangen Helena zurückzuholen von purer Macht- und Eroberungslust der Griechen
abgelöst.
Brad Pitt als Achilles agiert weit weniger peinlich, wie man im Vorfeld annehmen
konnte, trotzdem wirkt er schon durch seine schmächtige Statur nicht unbedingt wie das
Sinnbild eines großen Helden. Eric Bana als Hektor macht eine gute Figur und Orlando
Bloom als dessen Bruder Paris wirkt wie ein trotziger Schulbub. Diane Krüger als Helena
ist zwar der Hauptgrund des Gemetzels, steht aber wie alle weiblichen Akteure im
Schatten der männlichen Mimen. Dass die Frau in einer von Männern dominierten Welt
nur eine untergeordnete Rolle spielt wird dem Zuschauer sehr stark vor Augen geführt.
Was bleibt ist die große Offensive der Griechen gegen Troja und die Belagerung der
Stadt, die mit der wohlbekannten Kriegslist des Trojanischen Pferdes gipfelt.
Die monumentalen Schlachtszenen, sowie die einzigartigen Aufnahmen der gewaltigen
griechischen Flotte lassen das Herz eines jeden Historienfilm-Liebhabers höher schlagen.
Aber die Schlachten nehmen nicht den Hauptteil des Streifens ein, es bleibt auch Raum
für Nebenhandlungen und Gefühle. Mit der Geschichte nimmt man es in Troja nicht
ganz so genau. Der Film will eher unterhalten, als Geschichte lehren. Als Kritik muss
sich der Streifen eine etwas dünne Atmosphäre gefallen lassen - vor allem meint man die
Schlacht samt Belagerung dauert nur wenige Tage, dabei nahm sie in Wirklichkeit mehrere
Jahre in Anspruch.
Fazit: Troja schlägt nach Gladiator ein weiteres Kapitel des
‚Sandalenfilms" auf, erreicht aber nicht ganz dessen emotionale Tiefe und Spannung.
Trotz der Kritikpunkte ein wirklich sehenswerter Film und schon jetzt ein Höhepunkt
des cineastischen Jahres 2004.

Über Wasser
Wie wichtig das Element Wasser für die Erde ist, ist wohl jedem bewusst. In dieser
Dokumentation werden dem Zuschauer drei Episoden näher gebracht:
Den Anfang macht ein Bericht über Bangladesch, wo die Regenzeit Schuld trägt, dass das
Land immer mehr zurückgeht. Von Wassermangel kann hier keine Rede sein.
Der tägliche Kampf ums Überleben und die ständige Suche nach einem kleinen Stückchen
Land für sich und seine Familie begleiten einen Großteil der Bewohner. Danach das
krasse Gegenteil: der Aralsee geht mehr und mehr zurück und Schuld trägt der Mensch.
Durch das wahnwitzige Bewässern der Wüste zur Gewinnung von Baumwolle und Getreide
werden dem See wichtige Zuflüsse abgeschnitten. Leiden müssen die einstigen
Hafenstädte, die mittlerweile 150 Kilometer von der Küste entfernt liegen. Ein Bericht,
der nachdenklich und betroffen macht.
Im größten Slum von Nairobi spielt sich die dritte Episode ab. Wie sehr das stete Ringen
um ein paar Kanister Wasser den Alltag beeinflusst und die Not durch enorme Preise
gnadenlos ausgenutzt wird veranschaulicht uns dieser Bericht.
Ein sehr beeindruckendes Filmwerk, das so verdammt schnell vorüber ist, dass man sich
weitere Episoden wünscht.

Unsere Erde
Dokumentationen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und nun haben sie auch die
Kinos für sich erobert.
Unsere Erde zeigt unglaublich schöne Landschafts- und Tieraufnahmen, die wohl
nur auf der großen Leinwand entsprechend zur Geltung kommen.
Die zahlreich eingesetzten Zeitraffer- und Zeitlupeneffekte tragen dazu bei, dass sich
der Zuschauer nicht langweilt. Dazu kommen spektakuläre Unterwasseraufnahmen zum
Beispiel von Elefanten und recht gewalttätige Bilder von der Hetzjagd des Gepards
auf seine Beute wobei auf Blut vornehmlich verzichtet wurde.
Leider sind manche Tierschicksale etwas zu ausufernd dargestellt und auch auf den
erhobenen Zeigefinger am Ende des Films kann man getrost verzichten. Solide 4 Punkte.

Up in the air
Ryan Bingham (George Clooney) ist von Berufswegen ständig mit dem Flugzeug unterwegs.
Sein Job ist es amerikaweit andere Leute aus ihren Jobs zu feuern und dies freundlich
zu verpacken. Er ist der Beste seines Fachs: Eiskalt, überlegen aber dennoch einfühlsam,
soweit dies möglich ist. Sein Leben spielt sich über den Wolken und in austauschbaren
Flughafen-Hotels ab. Er vermeidet jede Verpflichtung, will aber unbedingt die
Zehn-Millionen-Bonusmeilen-Schallmauer durchbrechen, was vor ihm erst 6 anderen
Menschen gelungen ist. Als Bingham in der Geschäftsfrau Alex (Vera Farmiga) eine
Seelenverwandte trifft, gerät seine Welt ins Wanken.
So fremd, wie einem die Geschichte vorkommt, so steril und glatt die Dialoge. Sicher,
George Clooney agiert aalglatt und ist jederzeit überlegener Herr der Situation, doch
merkt man sehr schnell, dass es sich um auswendig gelernte Anekdoten und Sätze handelt.
Dazu ist die Geschichte so amerikanisch, wie eine Geschichte nur sein kann... mit ihrem
ganzen „Mensch sieht seine Schwäche ein und ändert sich um 100 %“ - Schmarrn.
Das hat man bereits deutlich besser, mit deutlich mehr Atmosphäre und mit authentischem
Hintergrund gesehen. Prädikat: ziemlich überflüssig

Verblendung
Dieser erste Teil von Stieg Larssons Buchadaption führt uns nach Göteborg.
In einer Art Vorgeschichte werden uns die Charaktere in Parallelhandlungen vertraut gemacht.
Durch einen höchst mysteriösen Fall treffen sich die Wege der beiden Hauptdarsteller:
Hackerin Lisbeth Salander und Journalist Mikael Blomkvist.
Schweden bietet ein sehr interessantes und ungewöhnliches Setting.
Die Landschaft ist durch einen Graufilter düster und beklemmend gehalten.
Neben abartiger Greueltaten wohnen wir immer wieder der kriminalistischen Recherche bei.
Vor allem Noomi Rapace als Lisbeth Salander sticht hervor - hier wurde eine sehr markante
Persönlichkeit gefunden, die zur heimlichen Hauptdarstellerin avanciert.
Michael Nyqvist als Blomkvist wirkt dagegen phasenweise etwas strukturlos.
Der Fall kreiert immense Spannung und weiß den Zuschauer über die gesamten 150 Minuten
zu fesseln. Einzig den Schluss hätte man kürzen können, stattdessen will Verblendung
noch die persönlichen Geheimnisse der Lisbeth Salander aufdecken.
Man darf auf den zweiten Teil gespannt sein.

Verdammnis
Einige Zeit nach den Geschehnissen aus Teil 1 kehrt Lisbeth nach Schweden zurück und
wird alsbald verdächtigt, ihren juristischen Vormund Bjurman ermordet zu haben.
Journalist Blomkvist hat Lisbeth aus den Augen verloren und recherchiert derzeit
in Sachen osteuropäischer Frauenhandel. Auch seine Recherchen führen ihn zu Bjurman.
Als weitere Personen ermordet werden und die Polizei die untergetauchte Lisbeth
verdächtigt, will Blomkvist Lisbeths beweisen, ermittelt in eigener Sache und versucht
Lisbeth schneller zu finden, als dass es der Polizei gelingt.
Wie schon beim ersten Teil der Millenium Trilogie besticht Noomi Rapace durch ihr alles
beherrschende Schauspiel. Daneben sieht nicht nur Michael Nyqvist blass aus, der trotz
guter Ansätze nicht so recht auftauen will und immer noch sehr steif wirkt.
Wurden dem Zuschauer bei Verblendung die Charaktere näher gebracht mitsamt Geschichten
dahinter, konzentriert man sich nun (bis auf einige Rückblenden) mehr auf den Fall, der
wesentlich actiongeladener daherkommt. Manch eine Szene stößt zwar seltsam auf (Lisbeth
Salander gräbt sich nach einer Nacht unter Sand selbst wieder aus??), aber das verzeiht
man dem überaus kurzweiligen Krimi. In Summe faszinierte Verblendung durch den
mysteriöseren Fall und die schockierende Vorgeschichte ein wenig mehr, aber trotzdem
ist der undankbare zweite Teil ein grundsolider Streifen. Aus Marketingsicht brillant
ist das Erscheinungsdatum der Verblendung-DVD am selben Tag des Kinostarts... und im
Abspann bereits der Kinotermin für den letzten Teil Vergebung.

Vergebung
Schwerverletzt liegt Lisbeth Salander im Krankenhaus. Nur ein paar Zimmer weiter
liegt der jenige, der die Schuld daran trägt: Alexander Zalatschenko,
Salanders Feind. Währenddessen versucht Mikael Blomkvist die Hintermänner des Komplotts
gegen Lisbeth ausfindig zu machen, die ihr den Dreifachmord anhängen wollen. Dabei
eröffnet sich, dass Zalatschenko mit dem schwedischen Geheimdienst zusammenarbeitete.
Dessen Vorgesetzte gehen zur Bewahrung dieses Geheimnisses über Leichen.
Die Millenium Trilogie findet ihren reißerischen Abschluss. Mächtig promoted, ist die
Erwartungshaltung beim Zuschauer natürlich immens. In Anbetracht der starken Vorgänger
muss man allerdings ein wenig enttäuscht sein. Sicher, die Geschichte klärt sich nun
mehr und mehr auf und so bleibt die einzige Spannung in der Gerichtsverhandlung um
Lisbeth Salander. Der unsäglich überflüssige Actionschluss hätte nicht auch noch sein
müssen. Das ist zwar alles nicht schlecht, aber ob der zu langen Laufzeit wenig Besonders.
Als "stand - alone" Film taugt Vergebung indes überhaupt nichts.

Wall - E
Im Jahr 2800 geht der emsige Roboter Wall-E den lieben langen Tag seiner Profession nach und
sammelt Müll, presst ihn in kleine Würfel und stapelt den Abfall zu platzsparenden, kunstvollen
Türmen. Er ist der letzte seiner Art, der noch funktionstüchtig ist.
Die zugemüllte Erde vom Dreck zu befreien ist ein schier unmögliches unterfangen.
Die letzten Menschen sind mittlerweile längst in den Weltraum geflüchtet und leben auf
monströsen Vergnügungsschiffen, sind fett, beinahe bewegungsunfähig, technikabhängig und
kaum mehr Herr ihrer Sinne. Wall-E hat eine Persönlichkeit entwickelt und sich ein kleines
Arsenal an netten Fundstücken zusammengesammelt.
Eines Tages landet ein Raumschiff auf der Erde und schickt den weiblichen Druiden Eve aus.
Dieser findet eine Pflanze und natürlich unseren Wall-E. Dabei verliebt sich
Wall-E in Eve und folgt ihr in die Weiten des Weltalls…
Die Pixar-Macher haben sich technisch selbst übertroffen. Man merkt dem Streifen seine akribischen 4 Jahre
Entwicklungszeit an, denn selbst wenn die Story anfangs etwas dünn ist, wartet Wall-E mit einem
Feuerwerk an kleinen sympathischen Ideen auf. An Bord des Raumschiffs gewinnt dann die
Geschichte an der nötigen Fahrt und bringt dem Zuschauer sogar eine (wenn auch etwas überspitzte)
Botschaft rüber. Ein sagenhaftes Filmspektakel und nicht zuletzt wegen des superwitzigen
Kurzfilmes im Vorfeld (Presto) überaus sehenswert… und einen Wunsch habe ich noch: bitte bitte
keinen (schlechten) zweiten Teil!

Was das Herz begehrt
Playboy Harry (Jack Nicholson), Junggeselle aus Überzeugung liebt alle Frauen, solange
sie unter 30 sind. Mit seiner neuesten Eroberung will Harry ein romantisches Wochenende
im Strandhaus auf Long Island verbringen. Dort wird er zunächst von Manns Mutter Erica
(Diane Keaton) und dann von einem Herzinfarkt überrascht. Widerwillig bietet Erica an
Harry gesund zu pflegen, während Mann zurück nach New York muss. Allein mit Erica stellt
Harry erstaunt fest, dass er sich zu ihr hingezogen fühlt und das obwohl sie weit über
50 ist.
Jack Nicholson in einer ihm auf den Leib geschriebenen Paraderolle und eine brillant
agierende Diane Keaton, die ihm um nichts nachsteht sind die Hauptpersonen in dieser
feinfühlig inszenierten Liebeskomödie, die weniger auf lauten vordergründigen Klamauk
setzt, als auf Situationskomik und Wortwitz, wobei stets der Ernst der Sache erhalten
bleibt. Leider ist das Happyend etwas zu vorhersehbar und ausschweifend geraten und der
Film überschreitet fast die Grenze zur Albernheit. Trotzdem macht Was das Herz begehrt
eine Menge Spaß und bietet zwei Stunden gute Kino-Unterhaltung.

Werner 4 - gekotzt wird später
Nach dem eher schwachen dritten Teil gibt es jetzt einen weiteren Werner-Streifen.
Dieses Mal wird nicht so viel Platt gesprochen und unsere Helden (Werner, Eckhardt
und Andy) sind etwas in die Jahre gekommen. Das merkt man daran, dass nicht mehr
Motorrad gefahren wird. Dafür wird mächtig an den Autos geschraubt und geheizt ohne
Ende. So viel gebölkt, gesoffen und gekotzt wurde glaube ich noch in keinem
Werner-Film.
Die Story und Abfolge sind absolut rasant und flott, dass man den Film eigentlich
gleich noch einmal sehen müsste, um all die abgedrehten, aberwitzigen Szenen richtig
zu erfassen. Es werden belanglose Dinge zu wichtigen weltbewegenden Ereignissen
hochstilisiert. Das Würfeln (Meiern) z.B. - der Sieger des Würfelns wird „König" und
darf sich bedienen lassen und bestimmt wo es hingeht und was gemacht wird. Es wird ein
Wettbewerb gestartet, bei dem der Verschluss der Bierflaschen wieder auf den
Flaschenhals geschnippt wird. Würde mich nicht wundern, wenn das von einigen Leuten
nachgemacht wird.
Dieser Streifen verbreitet viel Spaß und lässt nie Langeweile aufkommen. Leider ist die
Spielzeit mit knapp 75 Minuten etwas kurz, aber einem Zeichentrickfilm kann man so
etwas verzeihen. Dicke 4 Ploppflaschen Bölkstoff dafür

Whisky mit Wodka
Otto Kullberg (Henry Hübchen) ist ein Filmstar, wenn auch ein alternder, der zudem massivste
Alkoholprobleme hat. Sein Regisseur will allen Eventualitäten vorbeugen und engagiert einen
jüngeren Schauspieler, der die gleichen Szenen, wie Otto Kullberg einspielt, falls dieser
wieder einmal auszufallen droht. Von dieser Schmach angestachelt, läuft Otto Kullberg zu
Höchstform auf. Dazwischen entwickeln sich nicht nur im Film diverse Liebschaften.
Henry Hübchen verleiht diesem sehr seichten Film etwas Format und sorgt für heitere Momente.
Leider sind diese sehr spärlich gesät und so fragt man sich am Ende, was uns Andreas Dresen
mit dieser flachen Tragikomödie vermitteln will – zumal sich beim Happyend wieder alle lieb
haben.

Willkommen bei den Sch'tis
Der Postbeamte Philippe Abrams lebt mit seiner Frau Julie in Südfrankreich.
Da es privat nicht so gut läuft, will er sich an die Küste versetzen lassen, um damit auch
seine Frau glücklich zu machen. Da er sich als "Behindert" ausgibt um für den Posten den
Vorzug zu erhalten (was natürlich auffliegt), wird er kurzerhand in den Norden "strafversetzt".
Seine Frau ist entsetzt und weigert sich mit in den Norden zu gehen.
Dort angekommen prallen zwei grundverschiedene Kulturen aufeinander.
Nach und nach lernt Philippe die derbe Herzlichkeit und Offenheit seiner Kollegen zu schätzen.
Zurück bei seiner Frau schwindelt er, wie schrecklich seine neue Arbeit doch ist.
Als sie eines Tages darauf besteht ihren Mann zu begleiten, überschlagen sich die Ereignisse.
Die Charaktere, allen voran Philippe (Kad Merad) und Antoine (Dany Boon)
überschlagen sich förmlich mit Situationskomik. Als der biedere Philippe im Norden auf die
fremde Kultur und vor allem die seltsame Sprache trifft, gibt es kein Halten mehr.
Der Slapstick nimmt gelegentlich sogar Mr. Bean-ähnliche Züge an.
Mit Fortdauer der immer überzogeneren Handlung (Briefträgeralltag)
erschöpft sich die Komik der Sprache etwas (mit der wohl der Süddeutsche
Zuschauer weniger Probleme wie hat wie sein nördlicheres Pendant), was aber nicht
heißt, dass der positive Gesamteindruck dadurch leidet.
Ein brillant - komisesch Kinoerlebnisch für groß und klein, oder wie heißt es bei den
Sch’tis? Man winschelt immer zweimal ... auf keinen Fall den Abspann entgehen
lassen!

Windtalkers
Nach Wir waren Helden der zweite Kriegsfilm innerhalb kurzer Zeit. Dieses mal
verschlägt es die US-Militärs auf die Insel Saipan. Wir schreiben das Jahr 1943 und
befinden uns demnach im Zweiten Weltkrieg. In der Vorgeschichte wird uns vermittelt,
dass die Angehörigen der Navajo-Indianer durch ihre eigene Sprache in der Lage sind
Nachrichten so zu verschlüsseln, dass sie vor den Gegnern sicher sind. Unser "Held"
Enders, gespielt von Nicolas Cage hat die Aufgabe zu verhindern, dass einer der Indianer
in Feindeshand fällt und den Schlüssel des Codes verrät.
Schon bald wird die Handschrift von Action-Regisseur John Woo deutlich, denn was hier an
Explosionen und Feuerbällen aufgetischt wird, sucht seines gleichen. Je länger der Film
dauert (und der Film dauert ziemlich lange), umso mehr gerät die Handlung in den
Hintergrund. Und so liegt uns hier ein brutaler Kriegsfilm vor, der zu Recht erst ab 18
Jahren freigegeben ist. Die Charaktere wachsen uns nicht wirklich ans Herz, da die
Dialoge total oberflächlich, oft sogar dümmlich daher kommen.
Nicolas Cage ist meiner Meinung nach ein klassischer Fall einer totalen Fehlbesetzung.
Er wirkt in seiner Rolle weitestgehend lächerlich, wie auch der ganze Film eine einzige
Gewaltorgie ist.
Klarer Punktsieger beider Kriegsfilme ist Wir waren Helden. Mit 3 Punkten ist
Windtalkers noch gut bedient.

Wir waren Helden
Wieder mal ein Kriegsfilm mit dem Thema Vietnam - dachte ich zunächst, aber ich konnte
mir nicht vorstellen, dass sich Mel Gibson für einen Durchschnittskriegsfilm hergibt.
So war es dann auch mehr als nur Durchschnitt, was wir zu sehen bekamen.
Zunächst eine ausgiebige Vorgeschichte, in der uns ein paar Charaktere näher gebracht
wurden, Ausbildung und Vorbereitung auf den Einsatz. Das Ganze aber keineswegs zu lang,
es steigerte nur den Spannungsbogen, bis es dann ins Einsatzgebiet Vietnam ging. Man
fühlt sich von da an mitten im Geschehen. Vor Spannung muss man aufpassen, dass man das
Atmen nicht vergisst. Inmitten des ganzen Tumults ein sagenhaft aufspielender Mel
Gibson, der aus einem guten Film einen Klasse Film macht.
Wir waren Helden ist richtig großes "Kriegs"-Kino.

Wolfman
Der Mythos vom Werwolf wurde bereits unzählige Male verfilmt. Jetzt geht der
Lycanthropenstreich mit Wolfman in die nächste Runde.
Ein trauriger Anlass ruft den weltgewandten Shakespeare-Mimen Lawrence Talbot zurück
in seine Heimat. Im Wald um den Landsitz seines Vaters John finden Jagdmänner den
verstümmelten Kadaver seines Bruders. Talbot geht auf Spurensuche, wobei sich außer
abergläubischem Dorfgeschwätz über einen uralten Fluch wenig Zählbares ergibt. Bis er
bei einem Besuch in einem Zigeunerlager selbst Opfer eines Ungeheuers wird. Es ist
abzusehen, dass Talbot selbst in der nächsten Vollmondnacht zum Werwolf werden wird u
nd so will er seine frische Liebe Gwen schützen und schickt sie in weiser Voraussicht
fort, um dabei selbst einem furchtbaren Familiengeheimnis auf die Schliche zu kommen...
Beeindruckend und sehr stimmungsvoll gestalten sich die Kulissen, die kargen Landschaften
und unwirklichen Wälder in fahlem Licht. Kostüme und Dekoration sorgen für authentisches
(fast übertriebenes) Flair. Der Regisseur hat den Werwolf auf die Höhe der Zeit gebracht
und spritzt vor allem mit viel Blut und Gedärm, wo die Story etwas schwächelt... Der Score
erinnert stark an Bram Stokers Dracula und mit seinem Bombastsound treffen die
Schockeffekte den Zuschauer frontal. Leider wirkt die Wolfsmaskerade karnevalsmäßig
lächerlich und stößt negativ auf, wo der Rest optisch wirklich vortrefflich gelungen ist.
Joe Johnston als Regisseur schafft es somit nicht ganz einen Werwolfstreifen zu kreieren,
der sich längerfristig in den Köpfen festsetzt.

Wolke 9
Im Leben von Inge (Ursula Werner), jenseits der 60 passiert nicht viel Aufregendes:
ihr Ehemann Werner (Horst Rehberg) beschäftigt sich fast ausschließlich mit seinem Hobby,
der Eisenbahn, ihr Eheleben ist eintönig und festgefahren, ohne Überraschungen und ohne
Leidenschaft, doch genau nach der sehnt sich Inge. Da trifft sie Karl (Horst Westphal),
der noch um einiges Älter ist als sie. In seiner Gegenwart fühlt sie sich wie ein Mädchen,
hat Schmetterlinge im Bauch und ist einfach unbeschwert glücklich und verliebt. Ein Gefühl,
dass sie schon nicht mehr für Möglich gehalten hat.
Und so erfährt Werner recht schnell, dass seine Ehefrau fremdgeht. Was in der heutigen
Gesellschaft gang und gäbe ist, löst bei dem Zuschauer doch erheblich andere Gefühle hervor,
denn Sex, Liebe und Ehebruch im Alter, das wurde bisher so offen noch nicht gezeigt.
Der unverblümte Sex, das übereinander Herfallen, die Liebe zwischen Personen, die so gar nicht
jung und schön sind. Das macht Wolke 9 zu einem sehr unterhaltsamen zum Teil komischen, aber
auch nachdenklichen Film. Vor allem aber gelingt Regisseur Andreas Dresen ein mutiger,
sehenswerter Streifen, dem man auch sein vorhersehbares Ende verzeiht.

Wüstenblume
Die junge und äußerst hübsche Somalierin Waris Dirie wird eines Tages in einem Londoner
Fastfood-Restaurant, in dem sie als Putzfrau arbeitet vom Starfotografen Terry Donaldson
entdeckt. Danach folgt eine steile Karriere als Model auf den Laufstegen der Welt.
Doch vielmehr als Ruhm und Reichtum, will die junge Frau ihr Schicksal der Öffentlichkeit bekannt machen:
Im Alter von drei Jahren wurde sie in ihrer Heimat Somalia im Genitalbereich verstümmelt, wie
es in ihrem Land schon seit Generationen üblich ist.
Wüstenblume basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman, allerdings so löblich das Bekanntmachen der
Zustände in Somalia ist, so sehr kratzt Wüstenblume nur an der Oberfläche, um den Unterhaltungswert hochzuhalten.
Zu viel Märchen steckt in dem Film. Den Schauspielern merkt man die Unerfahrenheit vor der Kamera an, bis auf wenige
Ausnahmen: die quirlige Verkäuferin und Lebenskünstlerin Marilyn (Sally Hawkins) und die Vermieterin
der Zimmer in London, wenn diese auch nur kurz auftaucht. So hat Wüstenblume außer einiger guter Ansätze recht wenig zu
bieten, was den Zuschauer nachhaltig berührt.

Zusammen ist man weniger allein
Audrey (Amelie) Toutou spielt im neuen Filn von Claude Berri die Putzfrau Camille, die
alleine lebt und sich mit ihrem Job mehr schlecht als recht über Wasser hält, sehr zum
Leidwesen ihrer Mutter. Eines Tages begegnet sie im Hausflur dem schrulligen Philibert,
der im 14. Jahrhundert stehen geblieben scheint. Nach und nach entwickelt sich eine zarte
Beziehung zwischen den beiden, bis Camille dem Mitbewohner von Philibert, Franck begegnet,
der durch seine unflätige Art so gar nicht zum Leben der beiden zu passen scheint. Nach
einer 180 Grad-Wendung zieht es Camille zu Franck um wilden Sex zu erfahren und die beiden
Herren der Schöpfung kommen langsam ihren Träumen näher: der eine bekommt seine Chance auf
der großen Bühne und der andere bekommt sein eigenes Restaurant.
Ein wenig Märchenhaft und natürlich auch etwas kitschig kommt Zusammen ist man weniger allein
daher. Dabei fühlt man fast mehr mit dem stotternden Philibert, als mit der scheuen
Elfe Camille, die nach der Wendung zur Filmmitte kaum mehr wieder zu erkennen ist.
Was bleibt ist ein netter, aber äußerst vorhersehbarer Film, für den man nicht unbedingt
ins Kino gehen muss.


