Filmkritiken
Beim Schreiben von Filmkritiken lege ich weniger Wert auf ausführliche Beschreibungen, sondern eher auf ein kurzes, prägnantes Fazit.
» Das Festmahl im August
» Das geheime Fenster
» Das Konzert
» Das Phantom der Oper
» Das Vaterspiel
» Dawn of the Dead
» Der Architekt
» Der fremde Sohn
» Der Herr der Ringe I (Die Gefährten)
» Der Herr der Ringe III (Die Rückkehr des Königs)
» Der Junge im gestreiften Pyjama
» Der Knochenmann
» Der Mond und andere Liebhaber
» Der Mongole
» Der Nebel
» Der Pakt der Wölfe
» Der seltsame Fall des Benjamin Button
» Der Untergang
» Der Vorleser
» Dialog mit meinem Gärtner
» Die Eleganz der Madame Michel
» Die Friseuse
» Die Herrschaft des Feuers
» Die Klasse
» Die Letzte Legion
» Die Liga der aussergewöhnlichen Gentlemen
» Die Ludolfs
» Die Monster AG
» Die Queen
» Die Schachspielerin
» Die Schimmelreiter
» Die Welle
» Dogville
» Dorfpunks
» Du bist nicht allein
» Ein (un)möglicher Härtefall
» Elizabeth - Das goldene Königreich
» Endstation der Sehnsüchte
» Fahrenheit 9/11
» Findet Nemo
» Flags of our Fathers
» Fluch der Karibik
» Food, Inc.
» Friendship
» Full Metal Village
» Ghostship
» Gigante
» Gladiator
» Gothika
» Gran Torino
Das Festmahl im August
Einer der wichtigsten Feiertage Italiens Mitte August in der römischen Sommerhitze.
Rom ist wie ausgestorben bis auf ein paar verwegene Touristen.
Der weißweindurstige Gianni, der noch mit seiner alten Mutter unter einem Dach lebt kümmert
sich aufopferungsvoll um sie und versinkt in Schulden.
Da bietet es sich an, seinem Vermieter und später auch anderen Bekannten einen Gefallen zu
tun und auch deren Mütter kurzfristig aufzunehmen... aus anfänglicher Ablehnung entwickelt
sich ein ausgefülltes Miteinander, in dem die alten Damen richtig aufblühen.
Man muss schon ein großes Faible für die italienische Lebensweise haben, sonst ist man hier
fehl im Kinosaal. Eine Frau, egal wie alt will in Italien schön sein und sie will vor allem
das Leben und die kulinarischen Köstlichkeiten genießen. Um die geht es vor allem beim
Festmahl im August.
Nur knappe 75 Minuten Spieldauer kann der stellenweise sehr unterhaltsame Streifen bieten.
Wozu aber auch mehr, denn die eigentliche Geschichte ist erzählt und auch so gibt es noch den
ein oder anderen Leerlauf sowie "Fülldialoge". Trotz charmanter Ansätze etwas zu wenig Kino
fürs Geld.

Das geheime Fenster
Nachdem der Schriftsteller Mort Rainey (Johnny Depp) seine Frau
mit einem anderen erwischt, zieht er sich in ein einsam an einem See gelegenes Haus
zurück. Dort frönt er dem Selbstmitleid, verbringt seine Tage mit lustlosen Schreibversuchen
und ausgiebigen Nickerchen. Eines Tages taucht ein mysteriöser Unbekannter auf, der sich als John
Shooter (John Turturro) vorstellt und ihn beschuldigt, seine Geschichte gestohlen und
deren Ende verschandelt zu haben. Er verlangt Wiedergutmachung und zeigt kurz darauf
nur allzu deutlich, wie ernst er es damit meint.
Das Szenario entsprechend einem Thriller spannend aufgebaut, immer wieder mit kleinen
Rätseln und Schockelementen angereichert, wirkt trotz allem sehr träge. So wie es in
der Story eigentlich um die Bedeutung des Schlusses einer Geschichte geht, so macht das
Fehlen eines gelungenen Finales diesen Film an genau dieser Stelle endgültig zu einem
misslungenen Streifen. Hinzu kommt, dass mir Johnny Depp auch in diesem Film seine
Rolle wenig glaubhaft verkaufen konnte.
Fazit: Da sollte man sich wohl eher die Kurzgeschichte von Stephen King, die diesem
Film zugrunde liegt, zu Gemüte ziehen.
_apricum

Das Konzert
Andrei Filipov, einst großer Dirigent des weltberühmten Bolschoi-Orchesters in Moskau.
Doch weil er sich in den 80ern weigerte, jüdische Musiker aus dem Orchester zu werfen,
wurde ihm der Taktstock entrissen und er zum Hausmeister degradiert. Eines Tages fällt
ihm ein Fax des Pariser "Théâtre du Châtelet" zu, dessen Leiter, Olivier Morne
Duplessis, das Bolschoi-Orchester für einen Auftritt in dem Theater buchen will.
Andrei hat die verrückte Idee, mit seiner alten Mannschaft selbst das Konzert zu
spielen und anstelle des echten Bolschoi nach Paris zu fahren.
Das Konzert verblüfft zunächst mit Typen, die sich weitab von Hollywoodschönheiten
bewegen und die Sympathien der Zuschauer erobern. Die Geschichte selbst ist stark an
den Haaren beigezogen, was zwar bei einer Komödie zu verschmerzen ist, hier allerdings
so flach wie ein Tümpel im Sommer. Die Gags, überschaubar an ihrer Zahl zünden kaum
zumal man die meisten bereits im Trailer gesehen hat. Positiv zu erwähnen bleibt die
Tatsache, dass man die zwei Stunden ohne Langeweile übersteht und dass das Finale
wirklich fulminant, bombastisch und mitreißend überzeugen kann. In Summe leider etwas
wenig um eine wirkliche Empfehlung auszusprechen.

Das Phantom der Oper
Was ist das? Eine Oper bzw. ein Musical auf Kinoformat getrimmt? Mögen mich
einige als Banausen verschreien, aber ich kann damit absolut nichts anfangen.
Andere "Musik-Filme" haben das Thema Bühne oder Aufführung als Handlung bzw. als
Teil des Films - hier ist der ganze Film die Bühne. Dialoge finden fast
ausschließlich in Gesangsform statt - gesprochen wird selten, was bei einem
140 Minuten Film schon nach maximal 20 Minuten an den Nerven sägt. Die beiden
neuen Opern-Eigner wirken lächerlicher als die Schurken in "Kevin - allein zu
Hause". Die Gesangssynchronisation ist lausiger als bei den
meisten nachvertonten Webespots (zugegebenermaßen ist es auch recht schwer
Gesang "unpeinlich" zu synchronisieren).
Die Schauspieler mögen hier gute
Sänger gewesen sein, doch Figuren wie das Phantom hätte Schauspieler X Y Z
besser darstellen können. Ich will dem Film nicht gewisse Qualitäten absprechen,
so z.B. die ohne Frage sehr gute Musik und stimmlichen Gesangsleistungen, sowie
die opulenten Kulissen und Bilder.
Dafür gibt es von mir beinahe den zweiten Punkt.

Das Vaterspiel
Rupert Kramer, genannt "Ratz" hasst seinen Vater und will ihn in einem selbsterfundenen
Computerspiel wieder und wieder töten.
Als ihn ein Anruf erreicht: Mimi, eine ehemalige Studentenfreundin. Sie will, dass Ratz nach
New York kommt, um ihr bei der Renovierung des Hauses ihrer Großmutter zu helfen.
Ratz zögert nicht lange, da das für ihn die Chance ist auszubrechen, vielleicht mit seinem
Computerspiel Geld zu verdienen und natürlich Mimi, die er noch immer liebt nah zu sein.
In New York treten beunruhigende Fragen zu Tage: Wer ist der alte Mann im Keller, was
empfindet Mimis wirklich für ihn und bekommt er die Chance sein Killerspiel zu
veröffentlichen? Doch das ist nicht alles - eine dunkle Geschichte aus der Nazizeit holt
Ratz und Mimi ein.
Schauspielerische Glanztaten sind beim Vaterspiel leider Mangelware. Sabine Timoteo als Mimi
wirkt hölzern und kühl - ohne Emotionen. Helmut Köpping als Ratz ist ebenfalls keine
Offenbarung. Besser macht es da Christian Tramitz als Vater Kramer.
Seine Starken Momente erlebt das Vaterspiel aber stets, wenn in einer Rückblende Lucas von den
Erlebnissen seines Vaters, der im Zweiten Weltkrieg ermordet wurde, erzählt - interessant, wie
sich später die Geschichte zusammenfügt. Hier hätte das Vaterspiel ansetzen können und diesen
Aspekt tiefer durchleuchten sollen. Stattdessen verliert sich der Film ein ums andere Mal in
bizarren Cyberszenen, welche die Handlung nicht voranbringen.
Dagegen bleibt unklar, warum Ratz seinen Vater so hasst? Mit welcher Motivation ruft Mimi
ausgerechnet Ratz nach so langer Zeit an?
Viel Stoff in einem einzigen Film - dabei kommen die einzelnen Handlungsstränge zu kurz.
Wenige starke Momente helfen dem Vaterspiel nicht aus der Durchschnittlichkeit, wenngleich der
Erzählstil sehr ungewöhnlich ist.

Dawn of the dead
Ich muss zugeben, mir ziemlich vorbelastet diesen Streifen angesehen zu haben, da ich
ein großer Fan des Originals von 1978 bin. Dementsprechend groß war meine Vorfreude.
Das Drehbuch hält sich größtenteils an die Urfassung, sprich die Zombies tauchen auf,
das Virus verbreitet sich rasant und unaufhaltsam... eine Gruppe von "Lebenden" findet
sich zusammen und verschanzt sich in einem Kaufhaus und versucht schließlich zu
fliehen und zu überleben.
Im Gegensatz zum Original sind hier die Untoten sehr schnell unterwegs. Mit Blut- und
Gewaltszenen wird auch hier nicht gespart, somit ist die Altersangabe der FSK mit 18
Jahren absolut berechtigt. Die Darsteller sind bestenfalls zweitklassig, was man in
einigen Szenen deutlich spürt. Einige der coolen Sprüche und Typen wollen an die Urversion
erinnern.
Technisch auf der Höhe der Zeit macht sich bei mir trotz aller Bemühungen eine gewisse
Enttäuschung breit. Will doch bei diesem Remake weder die Grundstimmung angemessen
düster rüberkommen, noch die Zombies ähnlich bedrohlich wirken. Die Story ist einfach
nicht fein genug gewebt, dass dieser Gegensatz aus fürchterlichster Horror-Vision und
dem Traum einmal in einem Kaufhaus eingeschlossen zu sein und sich aller Waren bedienen
zu können überzeugen kann. Es wird zu wenig über die Hintergründe des Virus
und die Untoten berichtet. Das Ende schreit förmlich nach einer Fortsetzung, also
schnallen wir uns an und hoffen auf Teil II. Einmal mehr: Kult lässt sich eben nicht auf
Abruf produzieren.

Der Architekt
Der Hamburger Architekt Georg Winter (Josef Bierbichler) erfährt vom Tod seiner Mutter,
zu der er schon lange keinen Kontakt mehr hat. Auf Drängen seiner Frau Eva (Hilde von
Mieghem) ist er schließlich bereit, die Beerdigung zu besuchen.
Das Paar macht sich gemeinsam mit den beiden erwachsenen Kindern Reh (Sandra Hüller)
und Jan (Matthias Schweighöfer) auf den langen Weg in die Alpen.
Im entlegenen Bergdorf seiner Kindheit muss sich Winter der Vergangenheit stellen.
Er trifft die alte Freundin Hannah (Sophie Rois) wieder.
Die Testamentseröffnung hält Unerwartetes bereit und so dauert der Aufenthalt doch länger als
erwartet. An diesem isolierten Ort kommt zu Tage, was der Alltag stets verdeckte: Die Familie
ist eigentlich nur noch ein Scherbenhaufen.
Josef Bierbichler als Architekt erlebt gerade seinen zweiten Frühling und auch die anderen Protagonisten machen Ihre Sache mehr als
gut und stehen für Autenzität. Allerdings kann der schauspielerische Glanz nicht darüber
hinwegtäuschen, dass der Architekt strunzlangweilig ist. Der kaum vorhandenen Story fehlt
absolut der Drive und die ruhigen Szenen gehen am Zuschauer vorbei, der sich schon längst
verabschiedet hat.
"Der Architekt" ist der einzige Beruf der etwas schafft, durch das man hindurchgehen kann" -
das ist das Einzige, was von dem Film nachhaltig im Gedächtnis bleibt.

Der fremde Sohn
Los Angeles im Jahre 1928. Christine Collins (Angelina Jolie) verlässt das Haus und geht zur
Arbeit. Bei ihrer Rückkehr ist ihr Sohn Walter verschwunden, möglicherweise entführt.
Fünf Monate später wird ein neunjähriger Junge gefunden, der behauptet Christines Sohn zu sein.
Doch während die Polizei ihren Erfolg feiert, ist sich Christine sicher, dass dieser Junge nicht
ihr Sohn ist. Bei der korrupten Polizei stößt Christine allerdings auf taube Ohren und wird
schließlich in die Psychiatrie eingewiesen, damit sie "aus dem Weg" ist.
Donnerwetter! Dachte ich - starker Auftritt von Hollywood-Schlauchbootlippe Angelina Jolie.
Glänzte sie sonst eher durch ihr Äußeres bei durchschnittlichem schauspielerischen Können,
zeigt sie hier, was sie wirklich kann: Kämpfen wie eine Löwin um ihren Sohn und gegen die
Polizeiwillkür. Man leidet mit ihr, man schüttelt den Kopf über das korrupte Polizeiwesen von
L.A. und man ist zudem schockiert über die "Nebenhandlung": der Enttarnung eines mehrfachen
Kindermörders. Sehenswertes realitätsnahes Kino, das auf einer wahren Geschichte basiert.

Der Herr der Ringe I (Die Gefährten)
Schon seit fast einem Jahr werden wir verrückt nach diesem Film gemacht, und
dann sehen wir in 180 Minuten sogar nur den ersten von 3 Teilen. Pflichtstoff also...
Die Hobbits und Gandalf kommen sympathisch rüber und sind sehr gut und glaubwürdig
gespielt. Auch die ständige Bedrohung durch die dunkle Seite und den Ring verbreitet
eine knisternde Spannung den ganzen Film über. Die Effekte und locations sind erste
Klasse. Leider verliert das Böse etwas von seiner Schrecklichkeit, denn die Orkhorden
werden reihenweise von einer Handvoll Helden niedergemacht. Trotz allem ist das
Ganze extrem „unblutig"... für meinen Geschmack zu unblutig, aber da wurde wohl
Rücksicht genommen auf die FSK, damit der Film ab 12 Jahren freigegeben werden kann.
Die Geschichte ist stimmig und die Orte wechseln ständig. Allerdings sind manche
Stationen zu arg ausgeschmückt und andere wiederum werden nahezu übersprungen. Zum
Beispiel hieß es, dass man 4 Tage braucht, um die Bergfestung Minas Morgul zu
durchqueren, aber nach dem einen Scharmützel sind die Helden in der nächsten
Einstellung schon gleich durch den Berg. Man sieht die Helden nie irgendetwas
essen, schlafen, oder sich waschen... wahre Supermänner! Wegen dieser Schwächen
kann es nicht die volle Punktzahl geben. Zu einem echten Meisterwerk für die
Ewigkeit fehlt ein ganzes Stück, deshalb gibt es hier von mir eine schwache 5.

Der Herr der Ringe III (Die Rückkehr des Königs)
Wo der 2. Teil aufgehört hat, fängt mit der Rückkehr des Königs das Finale der Trilogie
an. Auf der einen Seite die beiden Hobbits Frodo, Sam und der seltsame Gollum
(dessen Schicksal uns näher gebracht wird) und auf der anderen Seite „unsere"
anderen Helden, die sich auf die unweigerlich bevorstehende Schlacht um Minas Thirit
vorbereiten. Man merkt, dass die Akteure mit ihrer Rolle gewachsen sind. Sie agieren
nicht mehr so hölzern, wie noch im ersten Teil (Die Gefährten). Trotzdem sind die
Dialoge sparsam ausgefallen, was dem Film nicht unbedingt schadet. Die Qualität des
gesprochenen Wortes kann mit der Bildgewalt nicht mithalten. Es herrscht klischeehafte
schwarz/weiß-Malerei. Männer sind in erster Linie ruhmreich, Frauen lieblich, wie das
Gute weiß und das Böse schwarz ist. Die Vorbereitung zur großen Schlacht, sowie die
Schlacht selbst nimmt einen Großteil der Geschichte ein. Auch über die Länge von 200
Minuten kann der Spannungsbogen weitestgehend gehalten werden und die ständige
Bedrohung durch Saurons dunkle Mächte ist fortwährend zu spüren. Der innere Zwist
von Gollum zwischen untergebener Hilfe Frodos bei seiner Mission und dem Drang den
Ring selbst an sich zu nehmen muss man als sehr gelungen einstufen. Einige Dinge
trüben allerdings das cineastische Vergnügen. Weshalb ist Gandalf ein Zauberer,
wenn er so gut wie nie zaubert? Das eigenwillige Ende des Films, der kein Ende
finden will (Der Regisseur wollte die Geschichte jedes Helden bis ganz zuende
erzählen, doch bleiben trotzdem einige Fragen offen. Was wird aus Frodo und Gandalf?
Wohin brechen sie auf?), sowie das schon geradezu unerträglich wirkende Happyend...
dass es schon weh tut. Trotzdem noch schwache 5 Punkte, die der Streifen vor allem
den monumentalen Bildern und dem filmischen Aufwand zu verdanken hat.

Der Junge im gestreiften Pyjama
Der 8-jährige Bruno weiß nichts von der Politik seines Landes und somit auch von der
Endlösung oder dem Holocaust. Ihn beschäftigt viel mehr der Umzug von seinem Zuhause in
Berlin und seinen Freunden in eine öde Gegend.Das Land verlangt den Umzug von seinem Vater,
denn dieser dient nunmal der Armee. Da sich dort keine Freunde finden, geht er auf
Entdeckungstour und begegnet dem gleichaltrigen Schmuel, der in einem gestreiften
Pyjama auf einem eingezäunten „Bauernhof“ lebt. Doch die unbarmherzige Geschichte holt
auch die beiden in einem spannenden Finale ein.
Nie zuvor hat es jemand gewagt, eine fiktive Geschichte über das dunkelste Kapitel des Dritten
Reichs zu erzählen. Aber die vorliegende ist so dermaßen echt, dass der Zuschauer ob der
gewaltigen Schluss-Sequenz vor Beklemmung erschaudert. Dabei hätte dem Film hie und da eine
etwas schnellere Erzählgeschwindigkeit gut gestanden.
Herausragend die Leistungen des Hauptdarstellers (wie er mit kindlicher Unbekümmertheit an die
Schrecken der Konzentrationslager herangeht), der ebenso wie sein Jüdischer Freund von
Laiendarstellern (!) verkörpert werden. Der Junge im gestreiften Pyjama beleuchtet neben dem
Holocaust auch die Rolle der Frau, die sich für politische Dinge nicht zu interessieren hat.
Außerdem werden Lehrmethoden aufgezeigt, die einer Gehirnwäsche gleich kommen. Ein wirklich
sehenswertes Werk mit glänzenden Darstellern.

Der Knochenmann
Der Löschenkohl - eine kultige, weithin bekannte Backhendlstation in der tiefsten Österreichischen Provinz.
Hier spielt sich Lebenskultur, Esskultur, Freizeitkultur und Familientradition ab.
Brenner (Josef Hader), der hier eigentlich nur die Mahnung für einen nicht bezahlten Leasingvertrag abgeben will
trifft auf die harsche "Gastfreundlichkeit" der hier lebenden Personen.
Da diese sich merkwürdig verhalten, lässt ihm sein Trieb (er war vorher Polizist) keine Wahl, der Sache
auf den Grund zu gehen und verlängert seinen Aufenthalt auf unbestimmte Zeit.
Von da an geschehen auffällig viele Absonderlichkeiten - scheint, als hätte Brenner in ein
Wespennest gestochen.
Ein Film voller Esprit, rabenschwarzem, trockenem Humor und kauzigen Typen, dass es nur so
kracht.
Was der Knochenmann eigentlich sein will, ist nicht so klar - Komödie, Thriller,
Horror oder Klamauk? Vielleicht von allem ein Stück, wobei es überwiegend ernsthaft
zugeht. Zarte Gemüter werden in einigen Szenen arg strapaziert, denn im Keller des
"Löschenkohl" geht es sehr appetitlich zu. Es ist wirklich schon wieder was passiert...

Der Mond und andere Liebhaber
Hanna (Katharina Thalbach) und ihre Freundin Dani (Fritzi Haberlandt) stehen plötzlich
auf der Straße, als ihre Firma schließen muss. Fortan begleiten wir die beiden
(vornehmlich Hanna) in ihrem weiteren Dasein, das geprägt ist von Höhen, Tiefen
sowie einigen Schicksalsschlägen: zuerst wird Hannas Tochter überfahren, dann
sind wir Zeuge einiger dubioser Jobs und schließlich will es das in Sachen Liebe
noch nicht gewesen sein. Am Ende verliert die gute Hanna auch noch einen Arm, um
zuletzt mit einem Trucker durchzubrennen.
An Ereignissen fehlt des dem Mond und anderer Liebhaber freilich nicht.
Auch die Schauspielerleistungen von Fritzi Haberlandt, Birol Ünel, Steffen Scheumann,
Andreas Schmidt und der alles überstrahlenden Katharina Thalbach sind nahezu
überragend. Dazu gibt es große Gefühle und tolle passende deutsche Musik (Silly).
Eigentlich ist alles angerichtet für ein grandioses Spektakel deutscher Filmkunst.
Leider wirken einige Szenen total überzogen, die Schicksalsschläge in ihrer Häufung
auf Dauer unglaubwürdig (…ach, jetzt verliert sie auch och ihren Arm…) und somit
bleibt unterm Strich ein recht solides Machwerk, das allerdings um Einiges hinter
Du bist nicht allein zurückbleibt.

Der Mongole
Der Mongole beschreibt das Leben von Temudgin, und dessen Aufstieg zum Dschingis Khan.
Das Volk ist zerrissen und nicht jeder hält sich an Tradition und Ehrenkodex, so
wählt der junge Temudgin seine Braut aus und erlebt allerhand Abenteuer, bevor er
endlich zum Khan aufsteigen und SEINE Gesetze durchsetzen kann.
Der Mongole punktet mit prächtigen Kulissen und vor allem mit einem frischen Thema.
Der Russische Regisseur Sergei Bodrov versucht uns während dieser fast 130 Minuten
vor allem die Mongolische Kultur näher zubringen, was in Ansätzen gelingt. Die
Großkampfsequenzen wirken dafür recht lächerlich. Der Streifen kommt nur sehr
gemächlich in Schwung und behält überwiegend seine ruhige Erzählform bei. Leider
ermüdet das den Zuschauer zusehends. Einige Haarsträubende Sprünge und übersinnliches
Blabla tragen nicht zur Stimmung bei. Möglicherweise wäre es interessant gewesen zu
sehen, wie Temudgin nach seiner Gefangenschaft ein Gefolge um sich scharrt, stattdessen
werden Kleinigkeiten ausgiebig breitgetreten.
Das schlimmste, was man dem Mongolen vorwerfen muss ist, dass er keine konkrete
Zielgruppe anspricht: Für ein Schlachtenepos fehlen taktische Hintergründe und
Finessen, Für ein Drama fehlt eindeutig Gefühl und für einen großen Historischen
Film fehlt das Charisma der Hauptdarsteller, deren Getue sich auf markige Worte
beschränkt… wo Erklärungen versagen, wird einfach Übersinnliches eingestreut.
Fazit: langatmig und recht enttäuschend.

Der Nebel
Irgend etwas ist in dem Nebel... natürlich, sonst wäre es ja langweilig! Dichter
Nebel zieht auf und hüllt eine Amerikanische Kleinstadt ein. Einige Bewohner finden
Unterschlupf in einem Kaufhaus und beraten, was zu tun sei. Bis sie dahinter kommen,
dass es nicht gesundheitsfördernd ist, sich in den Nebel zu begeben, wird der Zuschauer
Zeuge vieler platter und dümmlicher Dialoge genau wie die abgefuckten Typen, wie sie
nur einem Amerikanischen Drehbuch entspringen können, aber niemals in der Realität
vorkommen. Was dem Kinobesucher dann aus dem Nebel erscheint ist der blanke Horror...
für die Lachmuskeln wohlgemerkt.
Einzig der recht überraschende Schluss sorgt für etwas Licht am Ende des Tunnels -
dafür gibt's den zweiten Trostpunkt - ansonsten: Finger weg!

Der Pakt der Wölfe
Der Film spielt im historischen Frankreich des 18. Jahrhundert. Ohne Mitwirken großer
Stars ist ein zum Teil düsterer Film, der mit prächtigen Kostümen aufwarten kann
entstanden. Im Vordergrund steht die ständige Angst vor einer unbekannten Bestie
und der Jagd auf dieses Wesen. Nebenbei werden die Charaktere dem Zuschauer
nähergebracht und die sozialen, politischen Probleme und Verwicklungen dieser Zeit
erläutert. Stellenweise weist der Film einige Längen auf, um sich dann wieder in
mitreißender Action zu entladen. Von den ca. 150 Minuten Film hat es die letzte halbe
Stunde wirklich in sich. Die Aufklärung der Hintergründe und der Kampf mit der Bestie
sind sehr nervenzerreißend. Das Düstere und Geheimnisvolle der Vorgeschichte gerät hier
zwar in den Hintergrund, aber die geballte (auch blutige) Action entschädigt dafür
um so mehr. Alles in allem ein über weite Strecken guter opulenter, bildgewaltiger
Film, den man ruhig auf der großen Leinwand anschauen sollte.

Der seltsame Fall des Benjamin Button
Eine simple, wie geniale Idee: Ein Mann kommt als Greis zur Welt und wird im Laufe des Lebens
immer jünger, um dann als Säugling zu sterben.
Kein Geringerer als Brad Pitt verkörpert diesen Benjamin Button, der bei seiner Geburt vor
Schreck ausgesetzt wird und dann trotzdem eine Familie findet, die ihn trotz seines
Aussehens „groß zieht“.
Zentrales Element ist die Liebesgeschichte zwischen Benjamin Button und Daisy (Cate Blanchett),
die sich etwa im gleichen Alter zum zweiten Mal begegnen.
Ihre Liebe wird allerdings von der Sorge überschattet, dass sich ihr Leben auseinander
entwickelt: während sie immer mehr altert, wird er immer jugendlicher.
Sage und schreibe 13-mal ist dieser Film für den Oscar nominiert und der Zuschauer fragt sich:
warum?
Ein müder Brad Pitt, bei dessen Einblendungen das einzig spannende ist, wie er wohl jetzt
aussieht – schauspielerisch quasi nicht vorhanden. Einzig die Szenen im Krankenhaus mit der
schwerkranken Daisy und ihrer Tochter vermitteln etwas Atmosphäre.
Dass die Amis Probleme mit Stoff, der Gefühle und Inhalte transportieren soll haben, ist
hinlänglich bekannt. Wenn es mal kein Effektfeuerwerk oder Materialschlacht sein soll, dann
versagt der Amerikanische Film nur zu gerne. Dass es auch anders geht, zeigte gerade kürzlich
Der fremde Sohn oder Zeiten des Aufruhrs. Hiervon ist der seltsame Fall des Benjamin Button
Welten entfernt.
Wenn ich dieses Werk mit den neuerlichen Enttäuschungen Alter und Schönheit oder
Stilles Chaos vergleiche, muss ich die Wertung sogar noch schmäler ansetzen, da die beiden
anderen Filme bei ähnlichem Langeweile-Faktor mit einer deutlich kürzeren Spielzeit „trumpfen“
können – überflüssig!

Der Untergang
Bernd Eichinger hat die creme de la creme deutscher Schauspieler versammelt (Bruno Ganz, Alexandra Maria Lara, Corinna Harfouch, Juliane Köhler, Götz Otto, Heino Ferch...), um Hitlers letzte Tage nach dem gleichnamigen Essay des Historikers Joachim Fest und den Aufzeichnungen der Hitler-Sekretärin Traudl Junge auszuleuchten.
Berlin ist von den Alliierten Mächten eingekesselt und der Gürtel um die Stadt
respektive den Führerbunker zieht sich immer enger. Die Schauplätze wechseln zwischen
Gefechtsständen, Lazarett und der Kommandozentrale sprich des Führerhauptquartiers hin
und her, wobei die unmittelbare Nähe und Umgebung Hitlers die meiste Aufmerksamkeit
zuteil wird. Hitlers Konflikte mit den Offizieren, sein Verhältnis zu Schäferhund,
Eva Braun und seiner Sekretärin werden in erschreckender Detailgenauigkeit dargestellt.
Dabei schafft es der Untergang dass sich der Kinogänger nicht mit den NS-Monstern
identifiziert und diese glorifiziert werden, sondern die Sinnlosigkeit, die absolut
realitätsfernen Fantasien und die haarsträubenden Befehle des Führers ein ums andere
mal ein Kopfschütteln beim Zuschauer hervorrufen. Allen voran Bruno Ganz verkörpert den
fleischgewordenen Wahnsinn des Adolf Hitler mit allen Facetten in Perfektion. Mal
zeigt der Führer fast schon ein "menschliches" Gesicht und väterliche Züge im Umgang
mit Kindern, seiner Sekretärin und den erfolgreichen Soldaten, weshalb ihm auch seine
Getreuen bedingungslos zu Füßen liegen - im nächsten Moment wieder seine im Siegeswahn
getroffenen Befehle, die keine Widerargumente zulassen.
Der Zwiespalt zwischen bedingungslosem Gehorsam und Befehlsausführung sowie dem
eigenen vernünftigen Denken und Handeln zieht sich durch die Reihen der Oberen,
wobei letzteres nur äußerst vorsichtig ausgesprochen werden darf.
Der größte Schauer wird spürbar, als Magda Goebbels (Corinna Harfouch) ihre sechs
schlafenden Kinder vergiftet. Einem nach dem anderen drückt sie den Kiefer zusammen
und zermalmt so die Zyankali-Kapseln, was noch ein Zucken zur Folge hat – und dann den
Tod. Allein in dieser Sequenz spiegelt sich die ganze Absurdität von Hitlers Apokalypse
wieder.
Man fühlt jede der 155 Minuten der düsteren Stimmung, der unsagbaren Beklemmung, der
allgegenwärtigen Angst und eine Art Mitschuld am eigenen Körper. Nie hat mich ein Film
so aus dem Alltag gerissen, so getroffen und bewegt dass es eine Zeit dauert, bis ich
wieder in meinem Leben angekommen bin. Man geht danach nicht einfach so noch ein Bier
trinken, man kehrt in sich und versucht das Gesehene zu verarbeiten... ein Meilenstein!

Der Vorleser
Als der 15-jährige Schüler Michael (David Kross) an einem verregneten Tag eine Krankheit
ausbrütet, hilft ihm die wesentlich ältere Schaffnerin Hanna (Kate Winslet).
Nach seiner Genesung entwickelt David eine Leidenschaft für sie und auch Hanna ist der
Zärtlichkeiten nicht abgeneigt. Während der Zeit, die sie miteinander verbringen, liest er
ihr regelmäßig vor - bis sie eines Tages spurlos verschwindet.
Viele Jahre später trifft David (nun: Ralph Fiennes) Hanna vor Gericht wieder, wo sie sich
für ihre dunkle Vergangenheit verantworten muss.
Die beiden Hauptdarsteller zeigen uns viel nackte Haut und tiefe Gefühle.
Dass Hanna Analphabetin ist, ahnt Michael nicht, obwohl Hanna sich stets von ihm vorlesen
lässt. Auch die Szenerie im Gerichtssaal lässt den Zuschauer nicht kalt, sondern hegt die
gleichen Zweifel an den Ansichten Hannas wie auch Michael.
Schließlich nimmt Hanna aus Scham zuzugeben, dass sie Analphabetin ist die Hauptschuld auf
sich.
Selbst kleine Nebenrollen sind mit hochkarätigen Schauspielern (Alexandra Maria Lara,
Bruno Ganz, Hannah Herzsprung) besetzt, sodass einer dichten Atmosphäre nichts im Wege steht.
Die Maske der in Würde alternden Kate Winslet ist eine Klasse für sich, also ein toller
Film - aber warum "nur" 4 Punkte? Trotz allem, kein Film, den man sich in kurzer Zeit ein
zweites Mal anschauen will.

Dialog mit meinem Gärtner
Die beiden Hauptcharaktere in diesem französischen Film, der Pariser Maler und
Kunstdozent (Daniel Auteuil) und ein einfacher Mann vom Lande, der Gärtner
(Jean-Pierre Daroussin) bilden ein sehr ungleiches Paar. Beide sind zusammen in die
Schule gegangen und begegnen sich, als der Maler einen Gärtner sucht, um sich einen
Gemüsegarten anlegen zu lassen. Der eine, der typische Stadtmensch, gebildet, belesen
und immer adrett gekleidet und der andere, ein einfacher Gleisbauarbeiter, der auf
seine alten Tage seine Leidenschaft, das Gärtnern zur Berufung gemacht hat.
Was sich zwischen beiden entwickelt kommt sehr sympathisch rüber und lässt den
Zuschauer teilhaben an diesen liebenswerten eigenwilligen Menschen. Natürlich bleibt
nicht alles so idyllisch und so hat der Maler seine privaten Probleme zu lösen, während
der Gärtner seiner langjährigen Knochenarbeit Tribut zollen muss.
Die Handlungsstränge sind dann auch mehr oder minder recht vorhersehbar, trotzdem
bleibt ein Film zum Träumen, Schwelgen und Nachdenken, tiefgründig, sentimental,
manchmal ein wenig kitschig, aber immer herzerwärmend.

Die Eleganz der Mdame Michel
Der Film basiert auf dem Erfolgsroman "die Eleganz des Igels" und handelt von einer
Concierge, die allen Klischees entspricht: sie ist hässlich, unauffällig, kittelbeschürzt
und weiß alles über jeden der Bewohner des noblen Fünfparteienhauses in Paris.
Doch sie hütet ein kleines Geheimnis: Sie liest anspruchsvolle Literatur, die sie in
einem Nebenzimmer hütet wie ihren Augapfel. Zum Schein lässt sie bis in die Nacht den
Fernseher laufen, damit die Fassade der einfachen untertänigen Concierge gewahrt bleibt.
Solange bis eines Tages der stolze Japaner Herr Ozu einzieht und ihr bei deren Begegnung
ein literarischer Spruch herausrutscht, den Ozu zu erwidern und zu deuten weiß.
Die übrigen Bewohner des Hauses sind überreiche Personen, die ihre Tage mit Blumengießen
und anderen langweiligen Tätigkeiten totschlagen. Unter ihnen auch das blitzgescheite
Mädchen Paloma, die ihre Geschichte erzählt und mit einer Kamera dokumentiert.
Sie will nicht so werden und enden wie die anderen und beschließt mit eisernem Willen
ihren Selbstmord an ihrem 12. Geburtstag.
Lange bleibt Paloma die eigentliche Hauptperson, wie sie oft treffend ihre Mitmenschen
charakterisiert und den Zuschauer durch ihre Art fesselt. Erst später erfahren wir mehr
über Madame Michel, die sich mehr und mehr öffnet, je öfter sie mit Herrn Ozu
zusammentrifft. Anfangs nur eine Widerrede, später auch eine totale optische
Veränderung und am Ende ist sie ein anderer Mensch mit einem selbstbewussten Auftreten.
Dazwischen immer das unbarmherzige Fortschreiten der Zeit, die dem geplanten Selbstmord
Palomas näher rückt. Der Kinobesucher sympathisiert schnell mit der schroffen Madame
Michel, wie auch mit der aufgeweckten Paloma und dem gebildeten Japaner Ozu und fragt
sich, ob und welches Ereignis wohl Paloma davon abbringen kann sich selbst zu töten?
Das alles ist mit solcher Feinfühligkeit und Sinn für kleine Details erzählt, dass
Die Eleganz der Madame Michel zu den ganz großen Französischen Filmen gezählt werden
muss (zusammen mit der fabelhaften Welt der Amelie oder Willkommen bei den Sch’tis). Hinreißend!

Die Friseuse
Nachdem Kathi König, stark übergewichtig und mit Tochter im Marzahner Plattenbau wieder
einmal eine Absage als Friseurin bekommt, wächst in ihr der Traum, einen eigenen Salon
zu eröffnen. Das Problem ist aber vor allem das Startkapital. Von windigen Geschäften,
über erniedrigende Szenen bei der Bank bis hin zum schwarz verdienten Geld versucht
Kathi alles, um sich diesen Traum zu erfüllen.
Doris Dörrie schafft es dieser realitätsnahen Geschichte fast schon dokumentarisches
Flair einzuhauchen. Dementsprechend fühlt und leidet man mit den Problemen der
Hauptdarstellerin (Gabriela Maria Schmeide). Hier verbietet es sich oftmals, über
komische Szenen lauthals zu lachen.
So viel intime Nacktheit bei einem für die Allgemeinheit unästhetischen Körper hat man
zuvor höchstens in Andreas Dresens Wolke 9 gesehen. Einer der intensivsten Momente ist
die Sexszene zwischen Kathi und einem der eingeschleusten Vietnamesen. Typische Rolle
auch für Rolf Zacher als Kleinganove.
Am Ende schafft es Kathi wenigstens ihre Tochter für sich zu gewinnen, wenn es auch mit
dem eigenen Salon nicht ganz klappen soll.
Äußerst sehenswertes über die Gesellschaft unserer Zeit, auch wenn neben der Hauptfigur
die anderen Charaktere zu kurz kommen: Kathi füllt die Geschichte von der ersten bis zur
letzten Minute voll aus.

Die Herrschaft des Feuers
Dieser Endzeitfilm bringt uns ins Jahr 2020, doch zunächst befinden wir uns im London
der Gegenwart. Die Tunnelbauer der Londoner U-Bahn stößt auf einen geheimnisvollen Raum
und erwecken dadurch einen riesigen Drachen zum Leben. In einer kurzen Abhandlung wird
dem Zuschauer mitgeteilt, das sich diese Drachen unheimlich schnell vermehrt haben und
fast sämtliches Leben auf der Erde ausgelöscht haben. Danach finden wir uns eben in der
Zukunft wieder. Die Städte sind zerstört und einige überlebende verschanzen sich in
Höhlen und befestigten Gebäuden. In einem gut organisierten Befestigungswerk hält man
den Drachenangriffen lange stand, aber ein wirksames Mittel, diese zu erlegen gibt es
für die Bewohner nicht. Bis auf einmal eine Gruppe von "Drachentötern" aufkreuzt und
die Geschehnisse kräftig durcheinanderwirbeln. Erst jetzt schöpfen alle Leute Mut und
beginnen der Brut die Stirn zu bieten. In dramatischen Kampfszenen mit den technisch
sehr anspruchsvoll animierten Drachen ergibt sich. Die Herrschaft des Feuers in einem
Showdown in London. Die ziemlich unbekannten Schauspieler passen recht gut ins
Szenario, wenn auch manche von ihnen zu "cool" rüberkommen. Ein recht ordentlicher
Film, der einiges an Spannung zu bieten hat.

Die Klasse
Im 20. Pariser Bezirk, einem Multi-Kulti-Viertel, bereiten sich der junge Lehrer
François (François Bégaudeau) und seine Kollegen auf das neue Schuljahr in einer
Klasse mit vielen Migrantenkindern vor.
Vor allem François versucht, nicht nur Stoff nach Lehrplan, sondern auch soziale Werte,
Respekt und Toleranz.
In der Klasse mit 14- bis 15-jährigen Schülern unterschiedlicher Nationalitäten prallen
Meinungen und Kulturen aufeinander.
François Bégaudeau selbst schrieb auch das Buch zu seiner Studie, welche jetzt in bewegten
Bildern vorliegt.
Die Klasse (übrigens allesamt mit engagierten Laiendarstellern besetzt) ist eine Mischung
aus Dokumentation realitätsnahem Schulalltag, der mitunter sehr unterhaltend geschildert
wird. Der Zuschauer lernt die Denkweisen der unterschiedlichen Nationalitäten kennen und
ein Stück weit auch verstehen.
Leider zeigen sich auch abschnittsweise Längen und so bleibt es schwierig als Zuschauer
sich die nötige Aufmerksamkeit zu bewahren.

Die Letzte Legion
Ich liebe Historienfilme und vor allem Filme, die in der Antike spielen. Gerade nach
unserem Romurlaub versprach ich mir einiges von der letzten Legion.
Absolut nicht enttäuscht wurde ich von den tollen Kulissen, den Bauwerken, den
Landschaften und den Kostümen. Der Rest allerdings war ein absoluter Blödsinn von
A bis Z. Aus dem "Historienepos" wurde ein X-beliebiger Abenteuerfilm mit schlechten
Schauspielern in kalter Atmosphäre total vorhersehbar.
Bildgewaltig ja, inhaltlich Schwachsinn hoch 10. Mehr Worte will ich dazu nicht
verschwenden - zu tief sitzt der Stachel der verschwendeten Zeit; von der Kinokarte
ganz zu schweigen.

Die Liga der aussergewöhnlichen Gentlemen
In diesem Fantasy-Abenteuer, das im England des Jahres 1899 angesiedelt ist,
befürchtet die königliche Regierung, dass ein größenwahnsinniger Bösewicht die
Weltherrschaft an sich reißen will. Um ihn aufzuhalten wird ein elitäres Team
zusammengestellt, die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen. Helden aus Historie,
Literatur und Film sollen die große Aufgabe angehen. Allen voran Quartermain
(Sean Connery), sowie Captain Nemo, Tom Sawyer, Dr. Jekyll, Skinner, der weibliche
Vampir Mina Harker und andere, die die Pläne des bösen Phantoms vereiteln sollen.
Doch dann scheint sich ein Verräter in der Liga zu befinden. Ein Actionspektakel mit
viel Krach, boom, bang... sogenanntes Popcorn-Kino, ohne großen Anspruch. Die Handlung
ist vorhersehbar und verläuft ohne große Spannung. So etwas wie Atmosphäre, Tiefgang
und Hintergründiges sucht man vergebens. Es werden einige bekannte Zitate aus Film und
Literatur verhackstückt. Man hat nie ansatzweise das Gefühl, unsere Helden seien
wirklich in Gefahr und könnten mit ihrer Mission scheitern. Die Trickeffekte hat man
schon anderweitig und weitaus besser gesehen. Ein Top Schauspieler wie Connery wird in
seiner Rolle (?) nie gefordert. Scheinbar wollte man in diesem Streifen einfach nur
einen Topstar präsentieren, neben den anderen namenlosen Mimen, denn die Rolle des
Quartermain hätte jeder andere Schauspieler auch ausfüllen können. Zurück bleibt ein
Gefühl, dass man seine Zeit hätte sinnvoller nützen können und schon gar nicht für
einen solch unterklassigen Film den happigen Kinoeintrittspreis auf die Theke legen
muss.

Die Ludolfs
Nach einem Dasein im Nischensender DMAX kommen die kultigen Schrotthändler ins Kino.
Peter, Uwe, Manfred und Günter verlieren selbst im größten Chaos nie die Nerven.
Ihre Autoverwertung in Dernbach ist so kultig, wie die vier Brüder, doch das kommt auch beim
Kunden an, denn stets haben die Ludolfs eine Lösung oder ein seltenes Ersatzteil parat.
Dabei wundert man sich, wie Peter, „the brain“ in diesem Riesenchaos aus Schrott den Überblick
behält.
Das halbdunkle Wohn- und Arbeitszimmer, mit seinen geblümten 70er Jahre Tapeten ist einfach
so echt, wie es kein TV-Mensch jemals erfinden könnte.
Die Welt ist stehengeblieben im beschaulichen Dernbach und vor allem in der
Hinterhofschrotthandlung der Ludolfs.
Die Ludolfs sind einfach so kultig, wie man es mit Worten nicht beschreiben kann – man muss
es einfach gesehen haben. Die vier herrlich-dümmlich-sympathischen Brüder veranstalten
allerhand skurilles Alltagschaos. Von Schwachsinn bis zum aberwitzigen Irrsinn wird alles
geboten. Leider taugt der „Spaß“ nur bedingt für die große Leinwand, denn eine wirkliche
Geschichte wird nicht erzählt. So ist der Ulk einmal ganz amüsant anzuschauen, sollte dann
aber wieder zurück ins Fernsehformat abtauchen – dort sind die Ludolfs besser aufgehoben.

Die Monster AG
Wieder mal ein Film aus den Pixar-Animations Studios. Es ist schon unglaublich, was mit
Computertechnik alles möglich ist. Die Story ist genial-einfach: Die Angestellten der
Monster AG besuchen Kinder in ihren Zimmern, um sie zu erschrecken. Die Schreie der
Kinder werden gesammelt und liefern Energie. Natürlich gibt es einige Missgeschicke
und Turbulenzen, die sich in einem schönen Happy-end auflösen. Der Film ist gut gemacht
und die Figuren sehr sympathisch. Allerdings versprüht der Film nicht den Charme eines
Shrek. Ich würde ihn knapp unterhalb von Antz und Das große Krabbeln anordnen.

Die Queen
Der Tod Dianas ist Ausgangspunkt einer seltsam anmutenden Staatskrise in England. Während sich die
Queen mitsamt der königlichen Familie auf ihren Landsitz zurückzieht, nutzt Tony Blair
die Sympathien des Volkes für die Prinzessin der Herzen und sichert sich damit einen
politischen Vorteil.
Zwei Staatsoberhäupter, zwei Welten die Gegensätze könnten kaum größer sein und werden
auch ansatzweise in ganz wunderbar leisen Tönen porträtiert. Doch in dieser
Dreiecksbeziehung zwischen der Queen, Tony Blair und dem englischen Volk dominiert in
meinen Augen nur eines: Die eigentliche Macht haben die Medien. Ob im Königshaus oder
beim Frühstück der Familie Blair überall läuft der Fernseher und werden die
Schlagzeilen der Tageszeitungen analysiert. Was für eine Ironie angesichts der mit
Dianas Unfalltod in Zusammenhang gebrachten Hetzjagd der Paparazzi. Andere Aussagen
in diesem künstlich-leidenschaftslosen Streifen blieben mir verschlossen.
Fazit: In meinen Augen ein vollkommen überflüssiger Film, auch wenn Helen Mirren für
ihre Darstellung der Queen den Oscar erhalten hat.
_apricum

Die Schachspielerin
Helene (Sandrine Bonnaire) verdient ihr Geld als Zimmermädchen im Hotel und als
Putzfrau beim kauzigen Dr. Kröger (Kevin Kline) und hat sich mit ihrem Leben abgefunden.
Ihre Liebe brennt zwar nicht und der Verdienst ihres Mannes reicht gerade mal aus, um
über die Runden zu kommen. Alles ändert sich, als sie beim Bettenmachen im Hotel ein
Pärchen auf dem Balkon beobachtet, das beim Schachspielen Zärtlichkeiten austauscht.
Helene kehrt in sich und denkt über den Sinn ihres Lebens nach. Sie beschließt, das
Königsspiel zu lernen. Nachts übt sie allein am Schachcomputer. Und einmal die Woche
lehrt ihr Dr. Kröger die Feinheiten. Klar, dass dabei ihre Familie und ihre Pflichten
zu kurz kommen.
Beeindruckend, mit welcher Mimik und Gedankenverloren Sandrine Bonnaire die Helene
verkörpert. Der Zuschauer kann fömlich nachvollziehen, was in ihr vorgeht. Wer hat nicht
schonmal darüber nachgedacht auszubrechen, oder etwas eigenes für sich alleine zu finden,
das sein Leben erfüllt und wobei er aufgehen kann. Wenngleich die ruhige Geschichte
zumeist vorhersehbar daher kommt, wird sie in tollen emotionalen Bildern eingefangen.

Die Schimmelreiter
In der kargen Schönheit Dithmarschens sind unsere beiden ungleiche Helden unterwegs, deren
Wege sich auf schicksalhafte Art gekreuzt haben.
Fuchs (Peter Jordan), verdient seine Brötchen als Lebensmittelkontrolleur im hiesigen
Landkreis. Er stellt Sauberkeit und Ordnung sicher und verströmt dabei seinen eigenen
rustikalen Charme und Esprit. Während der zynische und ständig pleite Tilmann (Axel Prahl)
dringend das Land verlassen will und in der zwangsweisen Inspektionstour eine aussichtsreiche
Gelegenheit findet, seine Kasse aufzubessern und dabei auch noch seinem Ungeist freie Zügel
zu lassen.
In einem ebenso öden Landstrich wie jüngst die Dorfpunks ihr musikalisches Unwesen trieben,
begleiten wir jetzt die beiden ungleichen Fuchs und Tilmann auf ihren Touren durch ein
unwirkliches Land. Was Dorfpunks allerdings fehlte wird hier deutlich: brillante Charaktere,
die den Zuschauer fesseln und mitreißen. Wobei sich Fuchs (vor allem durch seine Rolle)
eher ins Gehirn des Publikums einzubrennen vermag. Einige Handlungsstränge und
Verhaltensmuster lassen sich zwar nicht immer nachvollziehen, aber dafür wird man hier
trotz mäßiger Story prächtig unterhalten – man kann ja nicht alles haben...

Die Welle
Der Gymnasiallehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) startet während einer Projektwoche zum
Thema „Staatsformen“ einen Versuch, um den Schülern die Entstehung einer Diktatur
greifbar zu machen. Anfangs kann sich noch kein Schüler so recht vorstellen, dass das
im heutigen aufgeklärten Deutschland möglich sein soll, aber schon bald sind die
Schüler Feuer und Flamme, entwickeln eigene Ideen und steigern sich auch außerhalb
der Schulzeit immer mehr in die Idee, die den Namen "Die Welle" erhält hinein. Das
Zusammengehörigkeitsgefühl, das gegenseitige Helfen, die gemeinsamen Unternehmungen
lassen das Projekt zum Lebensinhalt für die meisten Schüler werden. Als sich die
Projektwoche dem Ende neigt, merkt Rainer Wenger, dass ihm einiges aus dem Ruder
geraten ist. Am Ende merkt nur seine Frau (Christiane Paul), wie sehr er sich während
dieser Woche verändert hat.
Die Welle verdeutlicht eindrucksvoll und realitätsnah, wie leicht labile Jugendliche
zu beeinflussen sind, vor allem solche, die keinen sinnvollen Hobbys und
Beschäftigungen nachgehen. Sicher ist der Film an der ein oder anderen Stelle etwas
überzeichnet, oder manche Dialoge wirken leicht hölzern, aber vor allem Jürgen Vogel
verkörpert den "coolen" Gymnasiallehrer in Perfektion.
Fazit: Ein sehenswertes Filmerlebnis, das zum Nachdenken anregt und sich noch lange
in den Köpfen der Zuschauer einbrennen wird.

Dogville
Amerika 1930. Das beschauliche Bergdorf Dogville liegt am Ende einer Straße in den
Bergen der Rocky Mountains. Dorthin verirrt sich Grace (Nicole Kidman) auf der Flucht
vor den Gangstern und man gewährt ihr Asyl. Als Dank bietet sie den Dorfbewohnern
ihre Hilfe an... was alsbald aufs niederträchtigste von jedem Einzelnen ausgenutzt
wird.
Vergebung, Mitleid, Versöhnung... nein! Lediglich das Gebell des Hundes Moses bleibt
einem am Ende des Films als Trost, angesichts so großer Unmenschlichkeiten. Eine
riesige Halle, Kreidestriche auf schwarzem Fußboden, die die Umrisse der Häuser
markieren, dazu ein paar Straßennamen, vereinzelte Requisiten, Tag und Nacht sind
durch weißen bzw. schwarzen Hintergrund gekennzeichnet - eine Geschichte in neun
Kapiteln + Prolog, ein Drei-Stunden-Experiment: Ist das noch Film oder schon Theater?
Lässt sich das ertragen?
Nach wenigen Minuten ist man von der Stimme des Erzählers gefangen genommen,
unaufhaltsam von Grace´Schicksal in den Bann gezogen, vergisst das spartanische
Bühnenbild und erliegt dem Fokus auf die Psyche der Figuren. Eine erschreckende Fabel
über die Moral des Menschen - eine wunderbare Symbiose von Film und Theater, auf die
man sich einfach vorbehaltlos einlassen sollte. Dabei hatte ich fast schon geglaubt,
dass es keine neuen filmischen Mittel mehr geben könnte.
Fazit: Wenn im Abspann Bilder der amerikanische Depression gezeigt werden, unterlegt
mit David Bowies "This is not America" muss man geradezu gegen den inneren Drang,
aufzuspringen und Beifall zu klatschen (wie im Theater!), ankämpfen.
_apricum

Dorfpunks
Vier Jugendliche gründen irgendwo in der nördlichen Provinz aus Langeweile eine
Punk-Band. Doch was zuerst als Antriebsmotor funktioniert, versiegt recht schnell
nach den ersten Unstimmigkeiten.
Was schnell und kurz erzählt ist, beschreibt eigentlich schon nahezu die komplette
Handlung. Hauptdarsteller Malte (Cecil von Renner) kommt uns sehr geleckt und
glattgebügelt daher. Dagegen wirken seine Mitstreiter wie die übelsten Gesellen.
Der brillante Axel Prahl in der Nebenrolle des Kneipenwirts verleiht Dorfpunks ein wenig
Format, wenngleich seine Rolle dieses skurrilen Typen auch etwas angestrengt scheint.
So erschöpft sich die Handlung zumeist aus Rumhängen und Biertrinken und zurück bleibt ein
höchst laues Filmchen.

Du bist nicht allein
Hans Moll (Axel Prahl, bekannt als Münsteraner Kommissar Thiel spielt eine Hauptrolle),
als arbeitsloser Maler gerät er an seine neue Nachbarin, eine Russin und kann sich bei
ihrem Einzug nützlich machen. Das vertreibt die Langeweile. Seinen Sohn vernachlässigt
er jedoch weiterhin. Die Ehefrau findet durch einen zweifelhaften Job einen Ausweg aus
der Arbeitslosigkeit. Dabei kommen sich Moll und die russische Nachbarin Stück für
Stück näher. Ehekräche sind an der Tagesordnung und am Ende... nein - so viel will
ich jetzt nicht verraten. Du bist nicht allein beschreibt ein Stück Berliner
Plattenbautendasein, mit seinen typischen Problemen (Arbeits-, Perspektivlosigkeit,
Alkohol...), der gespickt ist von Situationskomik der Figuren. Sehr gut finden wir
alle uns in diesem Film wieder, der uns vom ersten Moment einen Spiegel vorhält und
dabei trotzdem ungeheuer Spaß macht. Eigentlich kein Film fürs Kinoformat, aber
trotzdem 5 knackige Punkte.

Ein (un)möglicher Härtefall
Da knisterts und krachts: Smarter, erfolgreicher Scheidungsanwalt (George Clooney), der
mit Witz und Geschick den Männern zu ihrem zweifelhaften Recht verhilft, gerät in die
Fänge einer resoluten und attraktiven Frau (Catherine Zeta-Jones), die reihenweise die
Männer ausnimmt, bis sie eben an ihn gerät. In dieser Liebeskomödie lodert es heftig
zwischen den beiden.
Typisch amerikanische Komödie, die allerdings stocksteif und glattgebügelt daherkommt
und jeglichen Charme und Witz vermissen lässt. Im Stile einer Seifenoper plätschern die
Geschehnisse vorhersehbar dahin und selbst das Finale birgt keine Überraschungen. Die
beiden Stars in den Hauptrollen scheinen lediglich aus marketingtechnischen Gründen für
diesen Streifen angeworben worden zu sein. Jeder Nachwuchsschauspieler hätte diese
Rollen sicher ebenso ausfüllen können.

Elizabeth - Das goldene Königreich
Die kinderlos gebliebene Englische Königin Elisabeth (Kate Blanchet) regiert scheinbar gefühllos und unnahbar ihr Reich. Beim Versuch sie zu vermählen werden ihr einige Edelleute vorgestellt, die allesamt nicht ihrem Format entsprechen. Einzig dem draufgängerischen Abenteurer Sir Walter Raleigh (Clive Owen) gelingt es ihr Interesse zu wecken. Zum einen durch die Geschichten seiner Entdeckungsfahrten und zum anderen durch seine "freche" Art. Elizabeth wünscht sich eigentlich nichts sehnlicher als um ihrer selbst Willen geliebt zu werden und nicht "nur" weil sie die Königin ist. Derweil spinnt Maria Stuart Intrigen um sich dem Thron zu bemächtigen und auch die Spanische Armada macht sich auf in England einzufallen.
Kate Blanchet verkörpert die Figur der Elisabeth perfekt. Durch ihr markantes (recht
hässliches) Äußeres strahlt sie die richtige Erhabenheit einer Königin aus.
Auch Raleigh, der mehr und mehr ihr Vertrauen gewinnt ist glaubhaft gespielt. Was
gewaltig stört sind die lausigen (See-) Schlachtszenen, die einen ansonsten ernsthaften
Film ins Lächerliche ziehen. Hier fragt man sich nach Fluch der Karibik - mäßigem
Unrealismus (Releigh agiert mit einer Jack Sparrow - Unbesiegbarkeit), was sich der
Regisseur dabei gedacht hat. Sicher, die Schlacht sollte nicht Mittelpunkt des Films
sein, sondern vor allem der Charakter der Königin aber ein wenig mehr Realismus hätte
die Sache abgerundet.

Endstaton der Sehnsüchte
Sung-Hyung Cho präsentiert uns nach Full Metal Village einen weiteren Dokumentarfilm.
In ihrer Heimat Südkorea gibt es das sogenannte „Deutsche Dorf“, in dem sich
Südkoreanerinnen mit ihren Deutschen Ehemännern ansiedeln, nachdem sie 30 und mehr
Jahre in Deutschland als Krankenpfleger gearbeitet haben.
Das Dorf besteht aus sehr deutsch aussehenden Häusern, akkurat geschnittenen Hecken und
Blumenbeeten, Holzzäunen und was sonst noch das deutsche Hausbesitzerherz begehrt.
In ihrer sehr eigenen typischen Art merkt der Zuschauer sofort die Handschrift von
Sung-Hyung Cho, denn sie lässt ihre „Darsteller“ vor der Kamera einfach reden und agieren.
So bleibt die ganze Autenzität bestehen und die unfreiwillige Komik der Rentner mit
ihren urdeutschen Tugenden und Macken kommen ungefiltert zur Geltung.
Ein Film, der sich schwer, mit anderen Filmen vergleichen lässt - zu eigen ist die
Geschichte, die leider nicht durchweg unterhalten kann und einige Atempausen gönnt,
ganz wie das Alter selbst.

Fahrenheit 9/11
Bush, Rumsfeld, Cheney, Ashcroft - die Hauptakteure vor der Kamera beim Schminken, Kämmen, Grimassieren... die Minuten bevor sie eine Rede halten: "Ready for the Show!" Dann verdunkelt sich die Leinwand, nur das Dröhnen eines Flugzeugs, Schreie und Feuerwehrsirenen sind zu hören. Moore erspart uns die schon überstrapazierten Schreckensbilder des 11.September. Es folgt eine Mischung aus Fakten, Interviews und Kollagen, die bei der zweifelhaften Präsidentschaftswahl 2000 beginnt. Gezeigt wird, wie der US-Regierung unter George W.Bush nach den Anschlägen vom 11. September 2001 daran gelegen war, den Irak in den Fokus zu rücken, obwohl die eigentliche Gefahr von Afghanistan ausging. Beleuchtet werden zudem ansatzweise die geschäftlichen Verbindungen zwischen den Klans der Familien Bush und Bin Laden.
Der Film lebt nicht von großen Thesen, sondern von einzelnen konkreten Eindrücken:
Wut, Empörung, Kritik, Eindringlichkeit, Witz, Sarkasmus, Schock. Man kann wohl
kaum von einer Dokumentation im klassischen Sinne sprechen, da die Argumentation
nicht einer gewissen Portion links-patriotischer Manipulation entbehrt. Wenn Soldaten
im Kampfeinsatz gezeigt werden und diese Szenen mit deren Lieblingslied
"Burn motherfuckers, burn" unterlegt werden, wenn Bush auf dem Flugzeugträger steht
und mit überzeugter Miene den Sieg erklärt und dazu der Song "Believe it or not"
läuft, dann wirken solche streckenweise wie Videoclips gedrehten Bilder sehr suggestiv.
Selbst wenn Moore beteuert, dass er lediglich die Fakten seines Films als „wahr"
klassifiziert, aber nicht die Schlüsse die er daraus zieht.
Der Titel ist im Übrigen eine Anspielung auf François Truffauts Sciencefiction-Film
Fahrenheit 451 (1966) nach Ray Bradbury. 451 Grad Fahrenheit ist die Temperatur,
bei der Papier zu brennen beginnt. Und wenn Bush (währende eines Interviews mit Michael
Moore im Verlauf von Bushs Wahlkampf vor vier Jahren) zu ihm sagt:
"Suchen Sie sich einen richtigen Job." - dann kann ich nur sagen: Moore hat seine
Profession gefunden.
Fazit: Trotz allem ein Film den man sich ansehen sollte, ein persönliches, wenngleich
loderndes Bekenntnis gegen die Bush-Politik und gegen den Krieg und allein dafür hat
der Streifen die Goldene Palme in Cannes 2004 mehr als verdient.
_apricum

Findet Nemo
Aus den Pixar-Studios, die auch für Hits wie Toy Story, Das große Krabbeln
und Die Monster AG zuständig waren, folgt nun mit Findet Nemo alles
andere als ein kleiner Fisch. Der überängstliche Clownfisch Marlin kann es nicht
fassen: sein einziger Sohn Nemo wurde vor seinen Augen von einem Taucher „entführt".
Sofort macht sich Papa auf die Suche nach dem Sprössling Dabei schwimmt ihm die
furchtbar vergessliche Fischdame Dorie über den Weg, die ihm fortan nicht mehr von
der Flosse weicht. Während Nemo im Aquarium einer Zahnarztpraxis in Sydney mit einigen
Leidensgenossen Freundschaft schließt, müssen Marlin und Dorie im Ozean gefährliche
Abenteuer bestehen.
Dieses Bildgewaltige und liebevoll animierte Unterwasserabenteuer wartet mit
brillantem Wortwitz (für den vor allem die Synchronsprecher wie z.B. Anke Engelke,
Christian Tramitz, Erkan und Stefan... sorgen). Es strotzt nur so von spektakulären
Bildern, aberwitzigen Ideen und sympathischen Charakteren. Selbst das vorhersehbare
Happy-end und einige wenig überraschende Sequenzen schwächen diesen Streifen nicht,
da über all dem stets diese so niedlich animierten Meeresbewohner, die einen mit
ihren großen Kulleraugen anschauen und verzaubern stehen. Toller Film und großer
Kinospaß, garantiert nicht nur für Kinder.

Flags of our Fathers
Clint Eastwood beschreibt in diesem (Anti-)Kriegsfilm eine Schlacht gegen Ende des
Zweiten Weltkriegs zwischen Amerikanern und Japanern um die Insel Iwo Jima. Aber nicht
die eigentliche Schlacht steht im Mittelpunkt des Geschehens, sondern deren "Helden",
die nach Eroberung eines Hügels die Amerikanische Flagge gehisst haben. Dieses Bild
geht durchs ganze Land und macht dem Volk Mut in einer trostlosen Zeit. Die Marines,
die die Fahne gehisst haben werden abkommandiert und tingeln fortan durch die Staaten
um zum Kauf der Kriegsanleihe zu animieren und sich als Helden feiern zu lassen,
doch als Helden fühlen sie sich in keinster Weise.
Ein sehr feinfühliger Film um die Machenschaften der Regierung um seinem Volk den
Krieg gut zu verkaufen, dazwischen immer wieder erschreckende Bilder vom
Kriegsschauplatz. Leider bleiben die Japaner "nur" der gesichtslose Feind,
aber dieses Bild wird dann der Folgestreifen Letters from Iwo Jima, der die
gleiche Schlacht aus Sicht der Japaner erzählt revidieren.

Fluch der Karibik
Der durchtriebene Captain Barbossa bringt ein fremdes Schiff, die Black Pearl, in seine
Gewalt, überfällt damit die Hafenstadt Port Royal und entführt die bildschöne Tochter
des Gouverneurs, Elizabeth. Das kann der abenteuerlustige Will Turner, Elizabeths
Freund und Vertrauter, nicht auf sich ruhen lassen. Gemeinsam mit dem verwegenen
Captain Sparrow (Johnny Depp), dem früheren Kapitän der Black Pearl, macht er sich
auf die Jagd nach der mörderischen Bande um Barbossa. Man muss schon mit der richtigen
Einstellung diesen Film besuchen. Wer einen wirklichen Gruselschocker erwartet, wird
enttäuscht sein. Zu allgegenwärtig ist der Humor, der sich wohl am besten mit Streifen
wie Armee der Finsternis, die Mumie oder Indiana Jones vergleichen
lassen. Johnny Depp agiert hier wie unter ständigem Drogen- und Alkoholeinfluss und
irgendwie tuntig. Allerdings lassen die ansehnliche Kulisse, und die Mischung aus
Horror, Action und Comedy hier den längst vergessenen Piratenfilm wieder aufleben.
Für meinen Geschmack hätte ein wenig mehr Ernsthaftigkeit und weniger Klamauk dem
Streifen eine höhere Wertung gebracht, aber ein gewisses Maß an Spaß und Unterhaltung
kann Fluch der Karibik auch so vermitteln.

Food, Inc.
In zum Teil erschreckenden Bildern zeigen Produzent und Regisseur Robert Kenner, Eric
Schlosser (Drehbuchautor von Fast Food Nation) und Michael Pollan in Food Inc. die
Abgründe der Nahrungsmittelindustrie, die dem Verbraucher vorenthalten und verheimlicht
werden.
Fleisch für jedermann zu billigsten Preisen, Eier und Gemüse das ganze Jahr über in rauen
Mengen. Solange das für den Konsumenten zu günstigsten Preisen zu haben ist, wird nichts
hinterfragt. Wo kommen unsere Lebensmittel wirklich her?
Auf der anderen Seite treten neue Krankheiten zu Tage und die grenzenlose Umweltverschmutzung
geht damit einher.
Food, Inc. zeigt schonungslos, was sich zumeist hinter verschlossenen Türen abspielt.
Die Zustände, die in den USA herrschen sind zwar noch ein Stück von Europa entfernt,
stimmen aber trotzdem nach- und bedenklich.
Dem Filmteam gelingt der Spagat zwischen Ekel und Unterhaltung und zeigt Ansätze zur
Problemlösung auf.
Eine Dokumentation von großem Wert, die man sich zusammen mit Let's make money annsehen
sollte. In so einer Welt leben wir?
Ein würdiger Film, der uns während der Berlinale im beeindruckenden Friedrichstadtpalast
serviert wurde.

Friendship
Zwei Ossis (Tom und Veit), die in der DDR-Zeit häufig angeeckt sind, beschließen in den Westen zu
reisen, aber nicht irgendwohin, sondern an den "Westlichsten Punkt der Welt" - nach
San Francisco. Leider reichen die Westmark nur bis New York und mit der Sprache ist es
nicht weit her, aber das stört die beiden Freunde wenig. Mit Trampen und Geldverdienen
kommen sie ihrem Ziel immer näher, begegnen abstrusen Typen, bei denen sie teilweise
Hilfe erhalten. Es stellt sich heraus, dass Veit eigentlich vor allem seinen Vater
treffen will, der vor Jahren in den Westen geflüchtet ist und ihm an jedem Geburtstag
eine Karte schickt. Die Begegnung mit der hübschen Zoe stellt die Freundschaft auf eine
harte Probe.
Was Matthias Schweighöfer als Tom (zur Zeit auf allen Kanälen präsent) und Friedrich Mücke als Veit
abliefern ist schon aller Ehren wert. Einfach hinreißend komisch, albern aber immer
sympathisch verbreitet Friendship gute Laune. Da der nötige Ernst nicht zu kurz kommt,
hebt sich der Film wohltuend von anderen Klamaukfilmchen ab. Auch wenn nicht alles
schlüssig und politisch korrekt abläuft, so lohnt sich das Zuschauen dieses Roadmovies
mit all den schönen und weniger schönen Seiten des freien "American way of life"...
nicht verpassen!

Full Metal Village
Mit dem Titel konnte ich so gar nichts anfangen, brachte aber in Erfahrung, dass der
Film eine Art Dokumentation des Wacken Open Air's ist.
Sehr beschaulich geht es in dem 1800 Seelendorf Wacken in Norddeutschland zu. Die
Landwirtschaft nimmt einen Großteil der Arbeit ein und ansonsten beschäftig sich der
Durchschnittswackener mit Kaffeekränzchen, Seniorentänzchen und Zockerrunden in der
hiesigen Kneipe. Das gefühlte Durchschnittsalter der Einwohner liegt bei weit über 60
Jahren. Die Zivilisation hat weitestgehend einen großen Bogen um Wacken gemacht.
Doch einmal im Jahr für 4 Tage fallen dunkle Horden von nationalen und internationalen
Metalanhängern in diese Idylle ein und sorgen für ein total konträres Bild.
Wir erfahren hier den Unterschied zwischen Kalb, Kuh, Bulle und Jungtier, was eine gute
Milch ausmacht und wie groß eine Maisstaude werden kann. Außerdem werden die Anfänge
des Wacken Open-Air's zurück ins Gedächtnis geholt.
Die Südkoreanische Regisseurin, die ab und an sogar selbst im Bild ist stellt
interessiert Fragen und entlockt den Einwohnern allerhand interessantes aus ihrem
Alltag. Sehr oft begleitet von einem trockenen ungewollten Humor.
Zuschauer, die mehr zu dem Festival erfahren wollen, müssen sich sehr lange gedulden,
bis der erste Truck mit Dixi-Klos anrollt. Am Ende erleben wir dann die Symbiose
zwischen traditionsbewusstem Kleinbürgertum und abgefahrenen Metalorgien. Die
liebenswert schrulligen Wackener sind von der Regisseurin treffend in Szene gesetzt
und so bleibt ein wahrhaft filmisches Ereignis weitab vom Mainstream zurück, über das
man noch lange spricht. Einfach nur kultig!

Ghostship
Dieser Horrorschocker führt uns zunächst zurück in die 60er Jahre, als auf einem
Superluxusschiff die Passagiere in einer abartigen Blutszene dahingerafft werden.
Allein diese Szene ist schon das Eintrittsgeld wert. Danach machen wir einen Sprung
in die Gegenwart, in der es ein Bergungsteam auf das Herrenlos herumtreibende Schiff
verschlägt. Auf dem Schiff angekommen spielen sich immer häufiger werdende mysteriöse
Dinge ab. Schließlich macht die Mannschaft einen riesige Goldfund, der ihnen auch zum
Verhängnis werden soll. So gewaltig, wie der Film anfängt, so schwach setzt sich die
Geschichte fort und kann leider nicht mehr an die Szene zu Anfang anknüpfen. Man könnte
hier sagen: Pulver zu früh verschossen. Trotzdem - kein schlechter Film mit der Freude
auf die DVD, die erlaubt die "schönsten" Szenen noch einmal in Zeitlupe zu genießen...

Gigante
Der bullige Jara ist ein Bär von einem Mann. Als Wachmann in einem Supermarkt in
Montevideo überwacht er die Angestellten an seinen Kameras. Daneben jobbt er noch
als Rausschmeißer in einer Disco. Privat hört er laute Heavy Metal Musik und schaut
fern. Es passiert nicht wirklich viel Spannendes in seinem Leben, bis ihm die zierliche
Julia auffällt, die ebenfalls im gleichen Supermarkt als Putzfrau arbeitet. Trotz seiner
körperlichen Gestalt ist Jara aber sehr schüchtern und beobachtet Julia zunächst nur
heimlich. Im Hintergrund hilft er ihr aus mancher Not, ohne sich selbst Preis zu geben.
Bis jetzt konnte man hierzulande erst sehr wenige Filme sehen, die in Uruguay spielen.
Das Großstadtleben unterscheidet sich in Teilen nicht wirklich von dem anderer Städte.
Gigante gewann bei der Berlinale 2009 den Silbernen Bären und das nicht zu unrecht.
Sehr authentisch erzählt uns der Regisseur die zarte Romanze zweier scheinbar völlig
unterschiedlicher Menschen. Die sehenswerten Nebenschauplätze und die leise Annäherung
der beiden Hauptcharaktere wissen den Zuschauer brillant zu unterhalten.
Kein Film für jeden, aber für jeden, der einen besonderen Streifen abseits des
Mainstreams mit einem ungewöhnlichen Setting sehen möchte.

Gladiator
Nach vielen Jahren mal wieder ein Sandalenfilm... und was für einer! Fast 3 Stunden ein
Feuerwerk der Bildkunst. Ein Film, der den neuen Maßstab für dieses Genre definiert.
Schon der Anfang lässt Kriegerherzen höher schlagen... die Massenszene lässt keine
Wünsche offen. Danach spielt sich der Film eher im Milieu der Gladiatoren ab und eben
im Umfeld des Römischen Imperators. Unglaublich, wie damals Intrigen, Meucheleien und
Heucheleien an der Tagesordnung waren. Die vermeintlichen Helden der
Gladiatorentruppe wachsen dem Zuschauer ans Herz und gipfeln in einem Showdown der
Extraklasse, als sich Der „Gladiator" Maximus und der Imperator persönlich in der
Arena gegenüber stehen. Ein großes Meisterwerk, für das es nur die Maximalpunktzahl
geben kann.

Gothika
Dr. Miranda Grey (Halle Berry) arbeitet als Kriminalpsychologin in einem Frauengefängnis. Sie betreut die geistesgestörten Frauen und ist überzeugt, dass es für jede dieser Störungen eine rationale Erklärung gibt.
Eines Tages erwacht sie als Patientin in ihrer eigenen Anstalt und wird beschuldigt,
ihren Mann, Dr. Douglas Grey, Chef dieser Klinik, bestialisch ermordet zu haben. Alle
Indizien sprechen gegen sie, aber Miranda kann sich an nichts erinnern. Unter den
wachsamen Augen des behandelnden Arztes Pete Graham begibt sie sich auf die
verzweifelte Suche nach der Wahrheit. Doch für Miranda wird es zusehends schwieriger
zu unterscheiden, ob sie sich immer weiter von ihrem gesunden Geisteszustand entfernt
oder der Wahrheit ein Stück näher kommt.
Der Film lebt von der gekonnten Umsetzung einer geheimnisvoll-düsteren Atmosphäre und
kann damit die kleinen Schwächen der übersinnlichen Geschichte ausgleichen. Auf
fesselnde Art und Weise erzeugt hier die Stille eine unerträgliche Spannung, steigert
sich bis hin zu dem Moment, in der die Wahrheit ans Licht kommt und man einem
Herzinfarkt nahe, die Augen schließen will. In der Realität wieder angekommen,
macht sich am Ende des Films ein grausames Gefühl der Beklemmung breit.
Fazit: Kein Film für sensible Gemüter und jene, die alles ausschließlich rational
erklären wollen.
_apricum

Gran Torino
Vietnam-Veteran Walt Kowalski (Clint Eastwood) ist ein alter Knochen, der stur an seinen
Vorurteilen festhält. Als in seine Nachbarschaft koreanische Einwanderer ziehen, bestätigen
sich zunächst alle Befürchtungen, zumal die Bandenkriminalität stetig zunimmt.
Doch als deren Kinder in Gefahr geraten, schreitet Kowalski resolut ein. Von da an ist er
für die Koreaner ein Held, aber auch im Fadenkreuz der Bande.
Auch im stolzen Alter von 78 Jahren inszeniert Clint Eastwood einen Hochkaräter nach dem
nächsten. In Gran Torino steht er auch wieder selbst vor der Kamera. Wie er in der ersten
Filmhälfte mit grimmigem Gesicht und bissigen Kommentaren durch sein Revier zieht, hat durch
seine Überzeichnung stellenweise komödieske Züge.
Phantastisch gespielt und immens interessant werden Migrationsprobleme dargestellt -
zwar sehr "amerikanisch", aber mit viel Leidenschaft.
Vom Stoff her hat Gran Torino eigentlich nicht so wahnsinnig viel zu erzählen, aber die
Geschichte steht und fällt bekanntermaßen mit den Charakteren und die zeichnet Eastwood
messerscharf und ohne Schnörkel.
Muss man gesehen haben!


